Sunday, April 17, 2011

Uyuni

Über Uyuni selbst gibt es eigentlich gar nicht so viel zu schreiben. Es handelt sich dabei um ein sehr überschaubares, ziemlich staubiges Städtchen in der Hochebene, dessen touristisch interessanter Teil hauptsächlich aus einer kleinen Fußgängerzone besteht - mit überteuerten Pizza-und-Fritten-Lokalen, Hotels, Netbook-unfreundlichen Internetcafes und jeder Menge Tour-Anbietern, die im Prinzip fast alle das Gleiche zu leicht unterschiedlichen Konditionen anbieten.
Man entscheidet sich also für eine Tour-Dauer, in unserem Fall drei Tage/zwei Übernachtungen, setzt sich früh am Morgen in einen Toyota Land Cruiser (andere Fabrikate sind seltenste Ausnahmen) der seine Viertelmillion Kilometer gelaufen ist und harrt der Dinge, die da kommen. Die Fahrt geht über recht holprige und sehr staubige Pisten, auf denen neben den Touristen nur noch Lastwagen und aus Chile kommende Busse unterwegs sind. Ab und zu gibt es Bauarbeiten, die dazugehörigen Umleitungen führen einfach quer durch die Halbwüste. Am Rande der Hochebene liegen einige schneebedeckte Berge, durch ihre Form als Vulkane ausgewiesen. Alle paar Dutzend Kilometer gibt es mal ein Dorf, dessen Menschen entweder vom Tourismus, einem Bergwerk in der Nähe oder von Lamazucht und Quinua-Anbau leben. Im Schatten von Steinen oder Häusern findet man auch um zehn Uhr morgens noch Eis.
Was gibt es hier zu sehen?

Wenig und nichts, aber das auf sehr vielfältige Art. Wenige große Steine. Findlinge aus der letzten Eiszeit, durch die Verwitterung in teils bizarre Formen gebracht (und ein prima Kletterpark für die Jungs).
Ausblicke auf die Berge in der Ferne. Und stetig wechselnde Formen der Wüste und Halbwüste. Die Vegetation wird immer dürftiger - schließlich liegt direkt nebenan die Atacama-Wüste. Tiere sind kaum zu sehen, noch nicht mal Geier. Aber dann, wenn selbst die Lamas nichts mehr zu fressen finden, sieht man auf einmal kleine Gruppen von Vicuñas. Das sind die zierlicheren, wilden Verwandten der Lamas, die durch ihre feine Wolle geschützt hier in über viertausend Metern Höhe noch irgendwie ihr Auskommen finden und kleine Pflanzen fressen, die man erst dann sieht wenn man aus dem Auto steigt und ganz genau hinschaut.

Wenn hier mal größere Mengen Wasser auftauchen, dann in einer Form, in der Menschen es nicht trinken können. In einer sehr schönen Form allerdings - als Salzsee. Das wäre an sich schon schön genug, aber dazu kommen dann auch noch Flamingoschwärme. Vor so einer Kulisse wird dann Rast gemacht und zu Mittag gegessen. Anschließend geht die Fahrt weiter, durch immer wechselnde Formen der Wüste - mal steinig, mal sandig, in zig unterschiedlichen Tönen von Weiß über Beige bis Braun, teils ein halbes dutzend mit dem Auge unterscheidbare Töne im selben Berg vereint. Dazwischengekleckst gibt es Kunstwerke der Erosion, darüber spannt sich ein Himmel, der mit "Blau" in dieser Höhe nur sehr unzureichend beschrieben ist.




Schlußpunkt am ersten Tag: Ein See mit größtenteils tiefrotem Wasser, ebenfalls von Flamingos bewohnt. Die Aussicht genießt man dann so lange es geht, bis es nach Sonnenuntergang empfindlich kalt wird. So kalt, dass am nächsten Morgen auf der Innenseite der Fenster unseres unbeheizten Zimmers eine dünne Eisschicht war - zum Glück gab es gute und genügend viele Decken, so dass keiner frieren musste.
Nach dem Frühstück geht es weiter zu einigen Geysieren, die so zischen und nach Schwefelwasserstoff stinken, dass die Kinder lieber vorsichtshalber im Auto bleiben. Wir schauen es uns gerne genauer an und erschauern etwas beim Gedanken an die Hitze unter unseren Füßen. Da kommt einem der feste Erdboden auf einmal gar nicht mehr so sicher vor.




Weiter geht es mit einer Wüste, die aussieht wie von Salvador Dalí gemalt, mit einem giftigen, leblosen, quietschgrünen See, mit zum Bad einladenden heißen Quellen mit umwerfender Aussicht auf einen See vor lauter schneebedeckten Bergen... und irgendwann war es das dann doch und der Wagen fährt zurück in Richtung Uyuni, durch eine sich langsam wieder belebende Landschaft. Allerdings steht nicht das Ende der Reise bevor, sondern der Höhepunkt. Na gut, dazwischen noch für die Jungs einen Abstecher zu einem Dampflokomotiven-Friedhof.
Die Hauptattraktion hier ist jedoch der Salar de Uyuni. Nicht irgendein Salzsee, sondern gleich der größte der Welt. Ein Überbleibsel eines Binnenmeeres, das bei Entstehung der Anden gebildet wurde und dann austrocknete. Eine fast tropfebene, enorme Fläche, in der jeglicher Orientierungspunkt (von den Sechstausendern am Rand abgesehen) fehlt.


Zur Zeit gab es dort relativ viel Wasser, weshalb wir nur einen kleinen Teil ansehen konnten, aber trotzdem - bis man es erlebt kann man sich schlecht vorstellen, wie begeistert man von ganz viel Nichts sein kann.
Voll von diesen Eindrücken verbrachten wir dann dank ausgebuchter Busse den folgenden Palmsonntag auf Plaza und Spielplatz, um abends nach La Paz zu fahren. Fernziel: Dschungel!

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