Sunday, April 10, 2011

Nochmal Potosí und Umgebung

Potosí zum zweiten Mal. Nach den vier Wochen in Sucre auf 2800 m Höhe waren die über 4000 hier zwar immer noch atemberaubend, aber nicht mehr ganz so arg wie beim ersten Besuch. Wegen der guten Heizung sind wir wieder im selben Hostal wie beim letzten Mal abgestiegen. Unter den anderen Gästen diesmal: Ein Paar aus Frankreich, das mit Fahrrädern und zwei Kindern - etwas jünger als unsere Sprößlinge - seit Monaten schon in Südamerika unterwegs ist und sich von Argentinien her durch die Berge in Richtung Norden vorarbeitet. Und - mal wieder - ein ganzer Haufen Israelis, die einen ziemlichen Radau bis weit in die Nacht machten.


Am Samstag haben wir uns dann, wie geplant, die Casa de la Moneda angesehen. Hier wurden die Erträge aus dem Cerro Rico in Silbermünzen umgewandelt und für den Transport nach Spanien präpariert. Teilweise hat das Silber aus den Minen von Potosí ein viertel des spanischen Staatshaushalts bestritten!
In diesem Museum gab es eine für unseren Geschmack zu schnell sprechende Führerin und so einiges interssantes anzusehen. Zum Beispiel ein mit Symbolik vollgestopftes Bild, das Maria mit einem Körper in Form des Cerro Rico als eine Synthese aus christlichem Glauben und dem traditionellen Pachamama-Glauben zeigt. Oder Maultier-betriebene Maschinen zur Herstellung von Münzrohlingen aus Silberbarren: In Spanien gefertigt, zerlegt und in über einem Jahr via Buenos Aires und Maultierkarawane nach Potosí gebracht, wo extra dafür ein großes Gebäude errichtet worden war. Der Höhepunkt für die Kinder war vermutlich ein Modell einer Karavelle, die Silber von Mexiko nach Spanien gebracht hatte. Ansonsten gab es - neben vielen Dingen mit direktem Bezug zur Münzherstellung - auch noch Kuriositäten. Gebrauchsgegenstände aus reinem Silber aus der Blütezeit der Stadt, bis hin zum silbernen Nachttopf. Mumien, Kanonen, Bomben und Granaten, eine sehr umfangreiche Mineraliensammlung inklusive versteinerter Dinosaurierzähne, die erste bolivianische Dampflokomotive... insgesamt eine sehr zügige Führung von anderthalb Stunden, und es ist noch lange nicht alles gezeigt worden was das Haus zu bieten hätte.
Am Sonntag bekam ich dann mal wieder ein paar Stunden "frei" für eine Tour in die Bergwerke von Potosí. Darunter darf man sich nicht etwas im Stil einer Zeche in Deutschland vorstellen. Die Minenarbeiter sind prinzipiell selbständig und bekommen nur Geld, wenn sie gutes Erz zu verkaufen haben. Sie haben sich in unterschiedlich großen Kooperativen zusammengeschlossen, weil einige Dinge eben doch besser gemeinsam zu regeln sind.

Für so eine Tour wird man erstmal in Bergmannskluft eingekleidet. Dann geht es auf einen Markt, wo man ein paar kleine Geschenke für die Bergleute einkaufen kann. Ich entschied mich für eine Stange Dynamit mit Zünder und zur Verstärkung ein Beutel mit Ammoniumnitrat. Als kleine Zugabe ein Beutel mit Koka-Blättern. Alles zusammen für gut €2,50. Beim Dynamitkauf wird man noch nichtmal nach seinem Namen gefragt was wohl auch zur Folge hat, dass es ganz gerne mal von gewalttätigen Demonstranten gegen die Polizei eingesetzt wird.
Die Touristen auf dieser Minentour wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Eine große mit englischsprachigem Führer und eine kleine aus nur drei Leuten mit einem spanischsprachigem Führer.
Der Führer sprach zum Glück im Gegensatz zur Dame im Museum ein sehr langsames und deutliches Spanisch und hat sich auch für alle Rückfragen viel Zeit genommen.
Allerdings hat er es erstaunlicherweise geschafft ohne mich vom Markt aufzubrechen. Er hatte sich kurz etwas zu essen geholt und während er aß hatte ich mir die Auslagen des DVD-Raubkopierers angesehen (der Film übrigens zu €0,35). Nach dem Essen stand er gut zwei Meter hinter meinem Rücken auf und ging, ohne mich zu bemerken. Auf einmal waren alle weg und ich der einzige Gringo in Bergmannskluft auf dem Markt. Ein, wie ich gestehen muß, etwas blödes Gefühl. Zum Glück fiel es dann doch nach ein paar Minuten auf und ich wurde eingesammelt.
Die nächste Station war die Besichtigung einer Fabrik, wo die verschiedenen Metalle aus dem Erz extrahiert werden - zur Zeit noch mit Cyanid, und es gibt ein Entwicklungshilfeprojekt mit deutscher Unterstützung zur Reinhaltung der Gewässer.
Anschließend der eigentliche Besuch im Bergwerk: Die Gänge sind teilweise noch mit Mauerwerk aus der Kolonialzeit abgestützt. Die Temperatur steigt recht flott an, teilweise wohl bis 70°C - diesen Teil zu besichtigen haben wir allerdings dankend abgelehnt, das Atmen fiel auch bei 40 schon schwer genug. In der Luft gibt es auch ohne Sprengungen schon ordentlich viel Staub und auf dem Boden steht gelegentlich Wasser, das so korrosiv ist, dass eine Schaufel aus Stahl ungefähr eine Woche hält. Um von einer Sohle zur nächsten zu gelangen geht es durch Gänge, in denen man teilweise auf allen vieren kriechen darf. Müßig zu berichten, dass das Bergwerk auch sonst nicht unbedingt für Menschen meiner Größe ausgelegt ist.

Insgesamt war der Besuch im Bergwerk allein für meinen Geschmack schon anstrengend genug, auch ohne wie die armen Bergleute zu viert einen Hund mit zwei Tonnen Gestein über die Schienen befördern zu müssen.

Am folgenden Montag haben wir uns nach einer kurzen Besichtigung der Kathedrale, die zur Zeit restauriert wird (aber von der man einen netten Rundumblick hat) auf den Weg nach Tarapaya gemacht. Dieser Ort ist uns von einer unserer Spanischlehrerinnen empfohlen worden. Dort sollte es heiße Quellen und daran angeschlossen schöne Bademöglichkeiten geben.
An der empfohlenen Adresse angekommen erwartete uns eine Art Ferienanlage im Koma: Ein Hallenbad - leer. Ein großes Schwimmbecken - fast leer. Ein kleines Schwimmbecken - wurde gerade geleert und war total dreckig. Dazu dann Bungalows für einen relativ stolzen Preis, unserer mit einem fehlenden Fenster im Bad, ohne Klinken an den Türen, mit einer Dusche bei der der Hahn zum Wasser aufdrehen fehlt, mit einer nur aus einer Spüle und ein paar leeren Schränken bestehenden Küche und ziemlich grottigen Betten. Wir schienen so ziemlich die einzigen dort zu sein und fühlten uns doch leicht veräppelt. Aber was soll's, für eine Nacht hält man es fast überall aus. Also haben wir uns die Badesachen geschnappt und die Anlage verlassen, um zu Fuß zu einem natürlichen aus heißen Quellen gespeisten See in der Nähe zu gehen, der auch noch sehr gute Aussicht bot. Das Wasser war toll, leider nur mit steilen Ufern. Die Jungs machten das beste aus der Lage und spielten am warmen Wasser des ablaufenden Baches.

Später am Tag sind wir mit einem der örtlichen Busse nach Miraflores gefahren, wo dann die von den Einheimischen bevorzugten Bäder sind: Mehrere ganz nette Hallenbäder und zwei Freibäder mit Sonnendach, von denen wir noch eins für ein Stündchen aufgesucht haben. Hygienisch garantiert unbedenklich, da von einem heißen Bach durchflossen. dessen Quelle in Sichtweite war.
Am nächsten Tag war unsere "Ferienanlage" wie ausgewechselt: Mehrere Busse mit Horden von Schulkindern füllten die frisch befüllten Becken und brachten richtig Leben in die Bude. Daher verbrachten wir den Dienstag dort und fuhren erst Nachmittags wieder zurück nach Potosí - diesmal nicht im Taxi, sondern für weniger als ein zehntel des Preises im Bus. In Potosí sind wir dann in ein anderes Hotel in der Nähe des alten Busterminals eingekehrt. Von dort verkehren die Busse in Richtung Uyuni, wohin wir am folgenden Mittwoch aufbrachen, um uns den dortigen Salzsee nebst Umgebung anzuschauen.

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