Sunday, July 24, 2011

Von Küste zu Küste zu Küste und weg.

Nach unseren Faulenzertagen auf Kuna Yala war es Zeit, sich mehr nach Westen zu orientieren - schließlich ist unser Rückflug ab Costa Rica gebucht.
Auf der Suche nach geeigneten Zwischenzielen sprang uns Playa Santa Catalina, ganz im Süden Panamás, geradezu an: Es bietet gute Sandstrände an der Pazifikküste und uns die Möglichkeit, einen weiteren Posten auf der Tauch-Wunschliste abzuhaken: Laut Reiseführer gibt es dort, im Nationalpark um die Insel Coiba, reichlich Mantas, im Mix mit einer großen Anzahl von Meeressäugern und gelegentlichen Walhaien.
Hoch war die Erwartung meinerseits, niedrig die Ausbeute. Für die Mantas und Walhaie war natürlich gerade keine Saison (aber im Winter soll es dort sehr viele geben), und auch die Meeressäuger zeigten sich nur vom Tauchboot aus an der Oberfläche, vertreten durch einen hohe Luftsprünge machenden Delphin und einen mehrmals Luft holenden Wal. Unter Wasser fiel die Tierwelt mehr in die Kategorie "sehr nett" als "Weltklasse", aber nach Galápagos konnte es eigentlich auch kaum auf dem Niveau weitergehen. Wenigstens gab es während der Oberflächenpause auf der Insel eine Horde Kapuzineraffen aus der Nähe zu sehen.

Schön war es trotzdem. Wir hatten eine schöne Hütte in einem etwas abenteuerlich durch eine Furt zu erreichenden Surf-Camp, das, wie der Name vermuten läßt, über einen Strand mit recht zuverlässiger Brandung verfügt, in der Natalia ein paar sehr anstrengende, aber durchaus erfolgreiche Versuche im Wellenreiten unternahm.
Die Kinder fanden es auch gut; die Gleichung ging wieder mal auf: Sand + Wasser -> Glück.



Das Abendessen war eine Klasse für sich, denn die italienischen Resortbesitzer (praktischerweise mit Kleinkind und entsprechendem Spielzeug) genügten dem Klischee und machten vorzügliche Pasta. In diesem Restaurant lernten wir ein nettes Paar aus Deutschland kennen, das ziemlich genau unsere Reise geplant hat - nur in genau umgekehrter Reihenfolge und ohne Kinder im Schlepptau. Da hatten wir uns natürlich einiges zu erzählen. Die beiden haben auch ein Blog.
Letzter Blick auf den Pazifik

Nach gerade mal drei Nächten dort ging es weiter in Richtung der Grenze zu Costa Rica.

Dort befindet sich an der panamaischen Karibikküste ein kleiner Archipel mit dem Nationalpark Bocas del Toro. Das hört sich vielleicht etwas ähnlich wie Kuna Yala an: Karibik, Inseln, Hütten - ist aber etwas ganz anderes. Zum einen sind die Inseln viel größer und im Inneren mit Dschungel bedeckt, zum anderen leben hier nicht Indigene, sondern der ganz gewöhnliche Panamá-Vielvölkermix mit einer Tendenz zum Afrikanischen. Die Unterkünfte sind näher am regulären Hotel als an der einfachen Hütte, es gibt Geschäfte und gegessen wird nicht, was auf den Tisch kommt, sondern in Restaurants auf Stelzen über dem Wasser mit guter Auswahl und weniger guten Preisen.
Ähnlich sind: warmes Wasser, Strand und Palmen. Was leider anders ist, hört auf den Namen Sandfliege/Sandmücke. Man merkt nicht, wenn sie beißt, hat dafür aber eine Woche mit einem Juckreiz zu kämpfen, gegen den Mückenstiche harmlos sind. Selbst eine ordentliche Abreibung mit chemischer Keule des größten verfügbaren Kalibers hilft nur bedingt.
Zu klein fürs Foto: Die Sandmücken



Das nimmt man jedoch gern in Kauf, wenn man dafür in so einer tollen Umgebung sein kann, in der es auch noch viel zu tun und zu sehen gibt. Am ersten Tag hier machten wir eine Bootstour, die uns in eine Bucht mit Delphinen, zu zwei Schnorchelplätzen und zu einem Pfad durch den Dschungel führte (spezielle Attraktion dort: rote Pfeilgiftfrösche), der an einem schönen Strand mit toller Brandung endet. Die Kinder hatten einen Heidenspaß im Wasser, da sie mittlerweile ihre anfängliche Angst vor großen Wellen vollständig abgelegt haben, und auf dem Rückweg gab es als kleine Dreingabe in den Mangroven am Hafen auch noch ein paar Faultiere zu bewundern. Wenn es auf der Terasse und in der Hängematte nicht so schön wäre, dann könnte man glatt auch noch Kajak fahren, reiten gehen oder surfen - aber so viel Aktivität muß ja gar nicht sein, wenn man seine letzten Urlaubstage genießen will.
Wir besuchten noch ein paar andere Strände, von denen einer zu Fuß durch ein Stück Wald zu erreichen war, das für sich genommen schon einen Ausflug wert gewesen wäre.

Am letzten Morgen in Panamá ging es in aller Herrgottsfrühe und bei kräftigem Regen los, um einen Bus nach San José, Costa Rica zu erwischen. Nach satten zweieinhalb Stunden Schlange stehen an der Grenze war es dann geschafft, und wir konnten aus dem Bus ein paar Blicke auf das letzte Land unserer Reise werfen, das wir aus Zeitgründen dann doch zur Duchgangsstation herunterstufen mußten.
Tja, das war es dann wohl - und vermutlich ist es der richtige Moment zum Aufbruch nach Hause, wenn der Abschied nicht gar so schwer fällt, wir satt von Eindrücken sind und uns auf daheim freuen.

Wednesday, July 13, 2011

Oh, wir sind in Panamá!

Kolumbien soll ein wunderschönes Reiseziel sein und seit ein paar Jahren auch nicht unsicherer für Touristen als der Rest der Region, so hatten uns im Laufe der letzten Monate viele andere Reisende erzählt. Wir hatten also mit dem Gedanken gespielt, quer durchs Land zu reisen und dann mit einem Schiff nach Panamá zu fahren. Leider hatten wir bei diesen Gedankenspielen die Größe zunächst unterschätzt. Wir hätten von unseren verbleibenden Wochen satte 48 Stunden mindestens im Bus verbringen müssen, um nach Cartagena zu gelangen, und dort eventuell mehrere Tage auf eines der ohne Fahrplan verkehrenden Schiffe warten müssen. Schweren Herzens begruben wir also diesen Plan und suchten eine Verbindung auf dem Luftweg.
Die Reise nach Panamá fing schon mal gut an. Wir hatten einen Flug mit Umsteigen in Cali, Kolumbien, wofür wir etwas über eine Stunde Zeit haben sollten. Am Flughafen von Quito verstrich der Anfang der nominellen Boarding Time ohne nennenswerte Aktivitäten am Gate, und wenig später wurden eine Reihe von Namen aufgerufen - darunter meiner! Ich meldete mich am Schalter und wurde gebeten, eine Dame von der Sicherheit zu begleiten. Wir wurden über den Rand des Rollfeldes zu ein paar Tischen am Rand des Flughafengebäudes geführt, an denen ein Haufen Gepäck lag und wo ein paar finster dreinblickende Leute mit militärisch aussehenden Uniformen standen. Nachdem wir alle unsere Gepäckstücke identifizieren durften, wurden diese gefilzt. Dabei gab es noch ein nettes Geplauder über die Reiseroute und ob man von irgendwem Souveniers entgegengenommen hätte... mit entsprechender Verspätung startete der Flieger, was uns nicht gerade beruhigte, da der Weiterflug mit einer anderen Airline erfolgen sollte und uns gesagt worden war, wir müßten unsere Rucksäcke in Cali abholen und nochmal neu aufgeben.

In Cali sahen wir das Ende einer mehrspurigen, ziemlich langen Schlange vor uns, die in Richtung Imigration verlief. Eine Abkürzung in Form eines Transitbereiches gab es leider nicht. Jeder, und auch wenn er nur in ein anderes Flugzeug umsteigen will, muß dort durch Imigration und Zoll und direkt wieder Emigrieren. Zum Glück wurden wir vom Flughafenpersonal abgefangen und an einen speziellen Schalter gelotst, wo wir imigrieren durften. Sonst hätten wir es an dieser Stelle gleich aufgeben können, den Anschluß zu erwischen. Dann durften wir die Rucksäcke abholen und von Spürhunden beschnüffeln lassen bevor wir den Zollbeamten unter dem Hinweis auf unseren Flieger in einer Viertelstunde davon abbringen konnten, seine Arbeit zu tun. Die Mitarbeiterin der Airline, die uns weiter begleitete, forderte uns dann auf, die Rucksäcke einfach dort liegenzulassen. Immerhin stand schon der Zielflughafen auf den Aufklebern, aber wir waren doch recht pessimistisch, ob wir unser Gepäck noch am selben Tag wiedersehen würden. Nach einem Amoklauf durch den Flughafen, wo wir Bordkarten von einem Schalter holen mußten, der uns mit "ist schon geschlossen" begrüßte, gefühlten fünffachen Drogen- und Sicherheitskontrollen geschah dann doch noch das Wunder, und wir saßen im Flugzeug nach Panamá! Am Ziel war doch unglaublicherweise tatsächlich auch unser Gepäck angekommen, und als nächste angenehme Überraschung gab es einen Gratis-Kleinbus zu unserem Hotel. Uff! Das einzige Problem war jetzt noch, dass wir weder in Ecuador noch am Flughafen von Panamá einen Reiseführer für dieses Land ergattern konnten. Deutschland? Kein Problem! Belgien? Klar. Indien? Auch! Aber Panamá? Fehlanzeige.

Das einzige, was wir wußten, war: Wir wollen auf die Islas San Blas! Das ist eine nicht gar so weit von der Hauptstadt entfernte Inselgruppe in der Karibik, die sehr schön sein sollte. Leider hatten wir nur eine sehr grobe Vorstellung davon, wie man dort hingelangen konnte. Die Fundstellen im Web sprachen davon, dass einige Hostals für ihre Gäste die Reise organisieren würden, und dass man ein Auto mit Allradantrieb, starkem Motor, einer Seilwinde und etwas Glück bräuchte, um nach Cartí zu gelangen. Das ist der einzige Ort an der Küste, von dem aus bequemer Zugang zu den Inseln möglich ist. Die Inseln sind ein autonomes Gebiet unter Kontrolle der Kuna-Indianer, die sich diesen Zustand durch einen erfolgreichen Aufstand gegen den Staat Panamá im Jahr 1925 erstritten haben. Sie nennen den Archipel einfach "Land der Kuna" - Kuna Yala.
Seit jenem Aufstand haben sie ihre eigene Gerichtsbarkeit und zahlen keine Steuern an den Staat. Niemand, der nicht Kuna ist, darf auf einer der 365 Inseln Land kaufen. Nur Kuna dürfen dort dauerhaft leben. Netterweise bieten sie auch einfache Touristenunterkünfte an: Größtenteils schlichte Hütten am Strand. Nur Sand, Palmen, warmes Wasser. Keine Autos, selten Strom und vor allem kein Stress.
Doch zunächst wollten wir uns das genaue Gegenteil ansehen, die Hauptstadt.

Um überhaupt eine Idee von der Stadt zu bekommen schlossen wir uns einer vom Hotel ausgehenden "City Tour" an. Das war allerdings keine allgemeine Stadtrundfahrt, sondern ein Abklappern von einigen touristisch interessanten Punkten. Den Anfang machten die Miraflores-Schleusen des Panamákanals mit dem daran angeschlossenen Besucherzentrum, das dank Museum und Aussichtsplattform eine recht gute Vorstellung von Geschichte und Betrieb des Kanals vermittelt. Allein der Bau ist schon ein Roman für sich.


Danach ging es weiter auf ein paar per Fahrbahndamm mit der Stadt verbundene Inseln, von denen aus man einen ganz guten Blick auf die Skyline von Panamá-Stadt hat. Der dazu passende Scherz ist: Panamá ist wie Miami, nur, dass in Panamá mehr Englisch gesprochen wird. Wolkenkratzer neben Wolkenkratzer. Recht beeindruckend, aber nicht gerade die Stadt wo ich leben möchte.
Nach dem obligatorischen durch-einen-Souvenierladen-getrieben-werden kam doch noch ein interessanter Teil, nämlich ein Besuch in der Altstadt. So furchtbar alt ist sie gar nicht, da die Stadt vor ein paar hundert Jahren nach der Zerstörung durch Piraten an dieser Stelle wiederaufgebaut worden ist. Trotzdem ein wohltuender Gegensatz zu dem vorhin beschriebenen Zentrum.

Als Abschluß ließen wir uns an einer Mall absetzen, wo wir nicht nur Mittagessen und Spielplatz fanden, sondern auch glücklicherweise immerhin in einem der beiden Buchläden einen Reiseführer! Der machte uns direkt etwas Mut: Nicht nur sei vor kurzem der größte Teil der Straße nach Cartí, zu unseren Wunschinseln, asphaltiert worden - es gebe auch ein Hostal in der Altstadt, dass manchmal bereit ist, auch Nicht-Gäste dorthin reisen zu lassen. Leider lasen wir das erst, als es schon zu spät war um am selben Tag noch etwas festzumachen.
Am nächsten Morgen fragten wir im hoteleigenen Reisebüro nach den Inseln: Ja, es gebe da ein anderes Reisebüro, die könnten das arrangieren.
Nun folgte ein Stück Realsatire, aus der Erinnerung frei, aber ohne große Überspitzung wiedergegeben:

- Guten Tag, wir möchten gerne auf die San Blas-Inseln.
- Einen Moment bitte (schnappt sich das Telefon, spricht eine Weile). Ja, da kann ich einen guten Preis machen, das kostet für drei Nächte $800,-.
- Äh, wohin genau würden wir dann fahren?
- Die Insel heißt Franklin.
- Was ist das für eine Insel? Könnten Sie die bitte beschreiben?
- Da gibt es Hütten. (Schweigen).
- Wir würden gerne Fotos davon sehen.
- (zeigt auf ein vergilbtes Plakat an der Wand, auf dem Wasser und ein paar Palmen zu erkennen sind.) So sieht das aus!
- Ist das Franklin? Wo genau soll die Hütte sein?
- Nein, aber die Inseln sehen so aus.
- Sind da nur die Unterkünfte oder gibts da ein Dorf?
- Da sind Hütten. Es sind kleine Inseln.
- Leben da noch mehr Menschen?
- Da gibt es die Hütten. Und nur ein paar Leute sonst.
- Was für Hütten? Mit Betten oder Hängematten? Mit eigenem Bad?
- Es gibt Betten. Es gibt ein Bad. Wenn Sie etwas komfortableres haben wollen, das geht auch, ist aber viel teurer.
- Um den Komfort geht es nicht. Wir würden nur gerne sehen, was wir kaufen. Wie so eine Hütte aussieht. Wie viele Hütten da sind, wie weit auseinander. Wie der Strand ist.
- Es sind kleine Inseln. Es gibt Strand, und da sind Hütten.
- Haben Sie keine Fotos?
- (schaut kurz was im Computer). Nein, von Franklin habe ich keine Fotos. (Es folgt ein für uns schwer verständlicher Redeschwall, der ziemlich nach Rechtfertigungsversuchen klingt).
- Bitte sprechen Sie etwas langsamer, wir verstehen Sie schlecht. Können Sie die Hütten etwas genauer beschreiben?
- (Redeschwall geht unverändert weiter)
- Vielen Dank, wir melden uns vielleicht nochmal.

Wir haben uns dann zum Glück nicht nochmal dort melden müssen, sondern ließen unsere Reise von den Mitarbeitern des Hostals Luna's Castle in der Altstadt organisieren. Das war zwar noch mit einigem hin und her verbunden, und so richtig sicher war die Tour erst am Vorabend der Abfahrt gegen sieben gebucht, aber dafür zahlten wir letztlich erheblich weniger und hatten wenigstens vorher eine halbwegs befriedigende Beschreibung von Unterkunft und Insel erhalten.

Am Nachmittag nutzten wir noch die verbleibende Zeit, um den "Stadtpark" von Panamá zu besuchen. Die Anführungszeichen sind nötig, weil es sich weniger um einen Park als vielmehr um ein paar hundert Hektar Dschungel am Rande der Stadt handelt. Das hat man auch nicht so häufig, dass man zwischen Urwaldriesen auf Wolkenkratzer blickt.
Für die Fahrt nach Kuna Yala braucht man kein besonders tolles Auto mehr - die Strecke ist in den letzten Jahren aphaltiert worden und die letzte Flußdurchfahrt wurde vor ein paar Monaten durch eine Brücke überflüssig gemacht. Wir ließen uns also in aller Frühe, um dem Berufsverkehr zu entgehen, aus der Stadt raus und, nach einem letzten Supermarkt-Stopp, auf einer sehr verschlungenen Strecke quer durch dschungelbewachsene Hügel an den Abfahrtshafen bringen. Der bestand aus einem Stückchen gut zugänglichen Flußufers mit ein paar überdachten Unterständen, von wo aus es mit einem kleinen Boot mit Außenbordmotor den Fluß runter ging und nach ein paar Minuten über die zum Glück sehr ruhige karibische See zu "unserer" Insel.
Es war eine kleine Insel. Dort gab es Hütten. Wir haben Fotos.




Genauer beschrieben: Vielleicht 100 mal 50 Meter, mit Kokospalmen bewachsen, mit einer Handvoll Hütten, die nur aus Dach und einem rundum laufenden Sichtschutz bestanden, darin ein Fußboden aus Sand und ein paar simpel zusammengezimmerte Betten. Etwas abseits, sofern das bei der Inselgröße möglich ist, gab es in der einen Richtung ein Klohäuschen für alle und in der anderen Richtung einen großen Tisch mit Dach drüber und einer Küchenbaracke daneben.
Wie zu erwarten gestalteten sich die folgenden Tage extrem stressig:
Frühstücken, danach die schwere Wahl zwischen Meer, Strand oder Hängematte treffen.
Mittagessen. Weiter rumhängen, alternativ sich in ein Dorf oder zum Schnorcheln fahren lassen.
Abendessen, schlafen gehen.
Zwischendurch nett mit den anderen Gästen plaudern: Die Themen gehen dabei nicht aus, weil täglich irgendjemand kommt und geht.
Die einzige Anstrengung bestand darin, ab und zu mal eine Kokosnuss zu öffnen und das Fleisch mundgerecht zu präparieren.
Die Hauptmahlzeiten waren sich im Grunde sehr ähnlich, aber lecker: Hühnchen, Fisch oder Languste mit in Kokosnussmilch gegartem Reis, eventuell noch ein paar gebratene Kochbananen-Stücke.
Weil zuviel Entspannung ja auch nicht gut ist, fuhren wir nach vier Nächten dann doch wieder ab. Uns zog es etwas weiter nach Westen, an die Pazifikküste.

Wednesday, July 6, 2011

In Quito, um Quito und um Quito herum

Quito ist eine in ein langgezogenes Tal gestopfte Millionenstadt. In Längsrichtung zieht sie sich sehr weit hin, zu den Seiten hin hört sie an einigen Stellen abrupt auf. Ihr Zentrum ist eine sehr schöne koloniale Altstadt, die neueren Stadtteile sind immer wieder durch Parks aufgelockert - keine besseren Vorgärten, sondern recht großzügig angelegte Bereiche mit vielen Bäumen. Alles in allem ergibt sich ein erheblich angenehmeres Lebensgefühl als man vermuten würde, wenn man "zwei Millionen Einwohner in einem Tal" hört. Man hat eigentlich meistens entweder die Altstadt oder einen Park in unmittelbarer Nähe, und wenn das mal nicht der Fall ist, schaut man wenigstens auf weitgehend unverbaute Berge, da praktisch nur der Boden des Tals und in ihm liegende Hügel dicht besiedelt sind.

Quito von unten...
... und von oben.

Patio unseres Hotels
Wasserspeier, südamerikanische Variante
Markttag in Saquisili

Hier bezogen wir in einem netten Altstadt-Hotel für gut eine Woche Quartier, unterbrochen von Ausflügen in die Umgebung.
In der Stadt selbst unternahmen wir, gemessen an den Möglichkeiten, erstaunlich wenig: Wir bummelten ein paar Stunden durch die Altstadt, schauten in ein paar Patios und Kirchen (darunter die vermutlich einzige gotische Basilika mit Gürteltieren, Affen, Ameisenbären und Riesenschildkröten als Wasserspeier), fuhren mit der Seilbahn auf einen angrenzenden Berg, machten die obligatorischen Äquatorlinien-Fotos, besichtigten ein Vivarium mit einheimischen Reptilien und besuchten einige Parks und deren ziemlich gute Spielplätze.
Unser erster Ausflug führte uns in die Berge südwestlich der Stadt. Nach ein paar Stunden Fahrt raus aus Quito, versüßt durch gute Aussicht auf einige schneebedeckte Vulkane, wurde es ländlicher. Wir machten noch einen kleinen Zwischenstopp am Wochenmarkt eines Dorfes, zu dem viele Bauern der Umgebung in ihren traditionellen Trachten kamen. Danach gab es, von kleinen Dörfern abgesehen, eine ganze Weile nur noch Landschaft pur. Doch nicht nur der Weg war das Ziel: Wir wollten uns einen See in einem Vulkankrater ansehen. Den sahen wir dann auch fast ohne Vorwarnung, denn er grenzt direkt an das zugehörige Dorf Quilotoa an. Von der Straße aus ist er nicht mal zu erahnen, aber wenn man aussteigt und zwanzig Meter geht, steht man auf einmal an einem Geländer direkt am Kraterrand und hat einen umwerfenden Ausblick auf den Kratersee.




Sich ihn nur von oben ansehen, das wäre dann doch etwas arg unsportlich. Wir folgten daher dem von dort beginnenden Weg hinunter in den Krater, wo wir nach etwas mehr als einer halben Stunde eine Art Strand erreichten. Unten gab es dann praktischerweise ein paar Einheimische, die die oben am Rand bestellten Pferde für den Aufstieg bereithielten. So sportlich, dass wir unsere Kinder in drei Kilometer Höhe eine Stunde lang den Berg hochschleppten, waren wir dann doch nicht. So kamen nur wir und die Pferde ans Schnaufen, während die Kinder immer mal wieder nachfragten, warum wir denn stehenblieben.
Der Rückweg nach Quito führte durch eine sehr schöne, abwechslungsreiche Berglandschaft mit kleinen Feldern, Wäldern, Cañons und gelegentlich Dörfern, die mit ein paar Minuten Abstand abwechselnd an die Eifel und ans bolivianische Hochland erinnerte.
Am Nachmittag des nächsten Tages fuhren wir mit dem Bus ins Hochland nördlich von Quito, in eine Stadt namens Otavalo.



Sie hat den für die umliegenden Gemeinden wichtigsten Wochenmarkt in weitem Umkreis und bot uns die Gelegenheit, mal wieder viele Einheimische in ihren unterschiedlichen Trachten anzuschauen und natürlich auch das, was sie anboten. Das reichte von eindeutig auf Touristen ausgerichtetem Zeug über traditionelle Kleidung, Tücher, Decken, Obst und Gemüse bis hin zum Angebot des Viehmarktes: Kisten und Säcke voller Hühner, Meerschweinchen, Truthähne, Schweine von winzig bis riesig, Schafe, Ziegen, Kühe aller Sorten und ein einsames Lama.
Die Marktplätze und alle Straßen in deren Umkreis waren mit Ständen vollgestopft, und allein dort vorbeizugehen nahm reichlich Zeit in Anspruch. Doch bereits gegen Mittag fingen die ersten Händler mit dem Einpacken an. Auch wir machten uns am frühen Nachmittag auf den Rückweg nach Quito.
Einige Tage später steuerten wir unser drittes Ziel an: Mindo. Das ist ein etwas tiefer gelegenes und entsprechend auch etwas wärmeres Dorf im Westen der Berge, in dem man so einiges tun kann: An Drahtseilen über das Blätterdach des Waldes schweben, auf LKW-Schläuchen einen Bergfluss hinunterfahren, wandern, reiten... und was taten wir? Praktisch nichts. Wir genossen es einfach in Hängematten herumzulungern, die Aussicht auf einen Garten voller Blumen und Kolibris boten. Wir machten kleine Spaziergänge und schauten uns einen Schmetterlings- und Orchideengarten an. Mehr war einfach nicht drin, weil ich einen Eintags-Infekt hatte. Dann ging es auch schon wieder zurück nach Quito, wo wir unseren Flieger zu erwischen hatten. Reiseziel: Panamá!