La Paz. Nicht Hauptstadt, aber Regierungssitz von Bolivien. Ein Riesenhaufen Häuser in einen dafür recht knapp bemessenen Talkessel gestopft. Insgesamt ziemlich modern, allerdings noch mit ein paar sehr nett anzusehenden kolonialen Überresten.


Für uns war La Paz jetzt nur eine Gelegenheit zum Wäsche waschen lassen, lecker essen gehen (in Babyfon-Reichweite unseres Zimmers) und zum Erwerb und Versand von Souveniers. Die Stadt ist reich gesegnet mit Läden, in denen man schöne Dinge bekommt, die dann per Postpaket ihren Weg in Richtung Deutschland antreten durften. Die eigentliche Hauptsache jedoch war, einen Trip in den Urwald zu buchen. Nach der warmen Empfehlung einer Bekannten wollten wir in den Madidi-Nationalpark in die Chalalan-Lodge - nicht ganz billig, aber angeblich sehr schön. Wir saßen schon in deren Büro in La Paz, während einer der Mitarbeiter einige furchtbar wichtige Telefonate zur Betreuung anderer Kunden führte. Der zweite Mitarbeiter hatte noch wichtigere Dinge in seinen Computer zu tippen und stand nicht für ein Gespräch zur Verfügung, was dann - in Kombination mit etwas durchdrehenden Kindern - dazu führte, dass wir uns einen erneuten Besuch für den nächsten Tag vornahmen. Dazu kam es allerdings nicht mehr, denn die Konkurrenz schläft nicht. Mir fiel die Werbung eines Wettbewerbers ins Auge, der in unserem Reiseführer auch ziemlich gut weggekommen war. Ein kurzer Besuch, ein angenehmes Gespräch, und wir waren uns einig. Kein Madidi-Park, sondern das in unmittelbarer Nähe gelegene Serere-Schutzgebiet. Das sind bescheidene 3500 Hektar Wald mit fünf Seen darin, die der Initiatorin des Madidi-Parks gehören, und angeblich passt sie besser darauf auf als der bolivianische Staat es mit dem Nationalpark tut.
Der nächste Punkt war die Anreise: Wegen der Karwoche waren sämtliche Flüge bis Ostersonntag ausgebucht. Der Bus braucht angeblich 18 bis 30 furchtbare Stunden. Auf dem Weg liegen noch andere sehenswerte Orte. Also buchten wir unseren Dschungel-Trip ab Ostersonntag und ließen es langsam angehen: In einem Sammeltaxi erstmal nur zwei bis drei Stunden aus La Paz heraus in ein beliebtes Wochenend-Ziel namens Coroico.
Der Kontrast könnte kaum größer sein: In Null komma Nix aus dem kühlen und eher kargen La Paz innerhalb von wenigen Stunden über gut 3000 Höhenmeter herunter, über die ehemalige - jetzt entschärfte "Death Road" - in einen warmen, tropischen Garten mit Bananen- und Papaya-Bäumen.
Dort verbrachten wir zwei Nächte in einem Hotel mit einer Aussicht, die eigentlich schon Attraktion genug ist. Den Tag über schauten wir uns ein paar kleine Wasserfälle und einen schönen Platz unten am Fluß an, wo die Jungs auch ihre Ambitionen im Dammbau und Steine schmeißen ausleben konnten.

Am nächsten Tag dann ging es in Sammeltaxis weiter, über teils haarsträubende Straßen, über die ich weder selbst ein Auto lenken möchte, geschweige denn in einem Bus gefahren werden will. Die Fahrbahn - praktisch unbefestigt, natürlich - ist teils so eng, daß es einem im Auto knapp vorkommt. Es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten, aber durchaus Gegenverkehr. Wenn dann ein Reisebus am Rande es Abgrunds einem Laster ausweicht, so reicht mir das Zusehen vollkommen, da muß ich nicht drin sitzen. Auf dieser Straße ist offiziell Linksverkehr vorgeschrieben, damit der Fahrer besser einschätzen kann ob seine Reifen noch alle auf der Straße bleiben...
Aber auch sowas ist irgendwann vorbei, und im Taxi zum Glück doppelt so schnell wie im Bus mit weniger Nervenkitzel. Am Abend des Karfreitag sind wir dann in Rurrenabaque eingetroffen, von wo aus es am Sonntag auf in den Dschungel gehen sollte. Ein sehr beschauliches, übersichtliches Städtchen am Rio Beni, in dem der Verkehr hauptsächlich aus Geländewagen und Motorrad-Taxis besteht. Dort verbrachten wir noch einen ruhigen Tag, ließen mal wieder waschen und organisierten die Weiterreise, bevor wir am Ostersonntag dann das Boot in Richtung Schutzgebiet bestiegen.
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