Friday, May 27, 2011

Huaraz und Huanchaco

Huaraz ist eine Stadt zwischen zwei Gebirgszügen, der Cordillera Blanca und der Cordillera Negra. Wie der Name schon vermuten läßt, zeichnet sich
die eine Seite durch eine Kette von schneebedeckten, ziemlich beeindruckenden Bergen aus. Naturgemäß kommen sehr viele Touristen hierher, um in den Bergen zu wandern. Ebenfalls naturgemäß ist das keine Art der Freizeitgestaltung, für die sich kleine Kinder übermäßig begeistern.
Zum Glück gibt es auch ein paar alternative Möglichkeiten dort, doch dazu später.
Nachdem wir den größten Teil des Tages im Bus verbracht hatten, machten wir uns auf Quartiersuche. Wegen Probleme mit dem Mobilfunknetz
hatten wir entgegen unserer Gewohnheit bei abendlicher Ankunft keine Reservierung für die erste Nacht, und zum ersten Mal auf unserer Reise sollte sich das als Problem erweisen. Das von uns favorisierte Hostal hatte keinen Platz für uns. Wir gingen die nächsten Möglichkeiten durch, kommentiert von unserem Taxifahrer - der blöderweise selbst ein Hostal hatte, das er uns natürlich wärmstens ans Herz legte. Aber wir fingen erstmal an, die etwas näher gelegenen Häuser abzuklappern. Ab und zu sprach der Taxifahrer davon, dass eines der Häuser voll sei. Tja... einerseits glaubten wir ihm das nicht unbedingt, andererseits hielt uns die Höflichkeit davon ab ihm zu sagen, dass wir trotzdem selbst nachsehen wollten, obwohl er sich ganz sicher war. Die folgende Odyssee führte uns nun kreuz und quer durch den Ort, von einem schäbigen Hotel zu einem zu teuren, zu einem vielleicht so gerade akzeptablen und so weiter... geschlagene anderthalb Stunden lang, bei ständig steigender Müdigkeit und Reizbarkeit. Als wir dann irgendwann zum dritten Mal an dem zuerst aufgesuchten Hotel vorbeifuhren hatte Natalia den rettenden Impuls: Sie ging in ein benachbartes Hostal, von dem der Fahrer anfangs gesagt hatte es sei voll. Und siehe da: Kein absolut ideales Zimmer, aber eins, das um Längen besser war als alles bis dahin gesehene, zu einem vernünftigen Preis, mit einem Aufenthaltsraum mit offenem Kamin. Halleluja! Traue keinem Taxifahrer, der etwas zu verkaufen hat. Wenigstens hat er uns für diese mehrfache Stadtrundfahrt einen sehr anständigen Preis gemacht.
Am folgenden Tag hatten wir eine Exkursion zu zwei besonders schön gelegenen Seen in der Nähe - na gut, zweieinhalb Autostunden entfernt - gebucht.
Der schiefe See von Huaraz



Ja, der Ort als solcher war schon toll. Die Einfahrt durch eine schroffe Schlucht, türkisfarbenes Wasser, das Ganze umrahmt von schneebedeckten
Bergen. Von denen sah man allerdings nicht so besonders viel, da die Gipfel größtenteils in einer dichten Wolkendecke steckten, aus der es dann bald
auch etwas zu regnen anfing. In Kombination mit dem kalten Wind hielt sich also die Begeisterung etwas in Grenzen. Die Stimmung der jüngeren
Expeditionsteilnehmer hellte sich erst dann erheblich auf, als wir zum Staudammbau an einem der Zuflüsse übergingen.

Für den zweiten Tag stand dann mal ganz was anderes auf dem Programm: Ein Ausritt! Es ging auf ziemlich kleinen, sehr geduldigen Pferden gut
zwei Stunden in die Berge rein und nach einem Päuschen wieder heraus. Wir Erwachsenen nahmen jeweils ein Kind vor uns auf den Sattel, was auch
zumindest für den Weg bergauf eine gute Idee war.
Bergab allerdings wurde es gelegentlich etwas eng. So schön es auch war, ohne nennenswerte Anstrengung in gemütlichem Tempo die Landschaft genießen zu können, am Ende waren wir und unsere Hinterteile dann doch ganz froh, wieder absteigen zu dürfen.
Zur Therapie der geschundenen Glieder suchten wir dann auch gleich die örtlichen heißen Quellen auf, die sich als wahre Wohltat erwiesen. Diese Kur war auch bitter notwendig, denn wir hatte noch für den selben Abend Karten für den Nachtbus nach Trujillo, wo wir ein paar Tage zum Ausspannen an der See verbringen wollten.

Dort in der Nähe gibt es einen kleinen, recht ruhigen Ort namens Huanchaco, der für seinen Strand und seine Brandung bekannt ist.
Daß es außerdem in unmittelbarer Nähe ausgedehnte Adobe-Ruinen aus einer Zeit lange vor den Inkas gibt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe
zählen, steigert die Attraktivität noch weiter - allerdings nicht so sehr für uns. Wir waren des Besichtigens müde und freuten uns nur aufs Faulenzen am Meer.

Entsprechend ereignisarm waren unsere Tage. Wir schlenderten am Strand herum und schauten immer wieder aufs neue fasziniert den riesigen Wellen zu, die sich überstürzend und wild schäumend in die Bucht hineinstürmten, und den mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen der Surfer, auf ihnen
zu reiten. Ab und zu spülten besonders große Wellen auch mit ihren Ausläufern über ansonsten trockene Teile des Strandes, was für Hektik und
Entsetzensschreie bei den dort Herumliegenden sorgte. Wir versuchten mit Bollwerken aus Sand das Schlimmste zu verhindern, was auch für eine ganze Weile gut ging und für ausreichende Beschäftigung der lieben Kleinen sorgte.


Das einzig deprimierende dort zu dieser Jahreszeit ist das Wetter, besonders am Morgen und Vormittag: der Pazifik liegt unter einer Dunstglocke, die sich erst im Laufe des Tages ganz langsam lichtet. Abends sind dann gerade noch genug Wolken für einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang übrig.
Genau das Gegenteil von deprimierend ist allerdings die köstliche Ceviche, die in den Strandlokalen serviert wird. Das sind, zumindest in der peruanischen Variante, in gewürztem Zitronensaft mit Zwiebeln und Tomaten eingelegte, rohe Meeresfrüchte und Fisch. Lecker! Wir kamen mehr und mehr auf den Geschmack, nachdem wir es schon im Valle Sagrado mal versucht hatten.
Als wir dann gerade danach süchtig geworden waren, brachen wir nach Ecuador auf, und mußten leider feststellen, dass Ceviche hier gekocht serviert wird und nur eine Art saure Fischsuppe ist.

Sunday, May 22, 2011

Huacachina

Nach einer kurzen Verschnaufpause in Cuzco ging es schon am frühen Sonntagabend los in Richtung Nordwest, näher zur Küste. Das Ziel war eine Stadt an der Panamericana namens Ica.
Nachdem wir dank der bequemen Schlafsessel den größten Teil der Strecke verschlummern konnten, erwachten wir morgens und waren wider Erwarten weder in der Wüste noch in der Ebene, sondern in einem noch relativ grünen und hochgelegenen Tal, durch das sich ein kleiner Fluß der Küste entgegenschlängelte. Davon inspiriert verlief auch die Straße noch ziemlich lange in Schlangelinien bis Serpentinen. Offenbar hingen wir etwas im Zeitplan, denn wir durchquerten schon bei vollem Tageslicht ein Schutzgebiet für Vicunyas in einer kleinen Hochebene.
Es mag ja sein, daß diese Tiere mal sehr selten waren, aber entlang dieser Straße sah man nun für eine ganze Weile selten weniger als zehn Stück gleichzeitig - wenn nicht auf der einen, dann eben auf der anderen Seite des Busses.
Ein ganzes Weilchen später passierten wir auch die berühmten Nazca-Linien, ohne den übermäßigen Wunsch nach einem Aufenthalt und näherer Betrachtung zu verspüren. Wir haben uns sagen lassen, daß der von den Aussichtstürmen und bei Überflügen gebotene Anblick es nicht wert ist - die allgemein verfügbaren Fotos seien besser, die Überflüge überteuert und unsicher.
Mit einigen Stunden Verspätung erst gegen Mittag in Ica angekommen taten wir, was dort alle Gringos tun: ein Taxi nach Huacachina nehmen. Das ist eine Art Oase inmitten einer Sicheldünen-Landschaft, nur wenige Minuten von der Stadt entfernt. Dort gibt es einen See, um den See herum eine Handvoll Hotels und Restaurants, um diese herum nichts als Dünen.
Ich kann keine Meterzahl anbieten, aber es war schon schwer beeindruckend: Direkt hinter unserem Hotelgrundstück fing eine sehr steile und enorm hohe Düne an, die wir nach kurzem Test des Hotel-Pools ein Stündchen vor Sonnenuntergang erklommen. Als Hügel betrachtet wäre sie eigentlich schon hoch genug für einen recht anstrengenden Spaziergang gewesen, aber mit all dem nachrutschenden Sand... die Kinder waren nicht gerade begeistert und wollten am liebsten unten am Fuß sitzen bleiben. Wir Großen wurden vom Ausblick von oben und dem bald folgenden Sonnenuntergang mehr als entschädigt.


Die Kleinen vom anschließenden die-Düne-herunter-Rennen. Wer es nicht probiert hat, weiß nicht, wieviel Spaß das macht.
Am folgenden Tag gingen wir noch an einer etwas tiefer gelegenen Stelle ein paar Meter in die Dünen hinein, ohne allzuviele Höhenmeter zu investieren, und genossen einfach die Lawrence-von-Arabien-mäßige Aussicht. Na gut, Lawrence sah weniger Müll, weniger Sandboard-Fahrer, weniger Dünenbuggies, aber insgesamt haute es schon sehr gut hin.
Am späten Nachmittag dann, nach erneutem Pool-Besuch, schnappten wir uns Taxi und Bus in Richtung Lima. Die Stadt soll zwar so einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten haben, uns war aber wirklich nicht danach in einer als tendenziell unsicher geltenden Großstadt die Kinder durch Museen und Kirchen zu schleifen. Uns zog es wieder mehr in Richtung Berge, in eine für gemäßigtes Klima und großartige Panoramen bekannte Gegend. Nach einer Übernachtung in Lima, setzten wir daher schon am nächsten Morgen unsere Reise fort. Es ging weiter die Küste entlang nach Nordosten, nach Huaraz.

Friday, May 20, 2011

Von Cuzco bis Machu Picchu



Cuzco war die Hauptstadt des Inka-Reiches, und man merkt es noch heute. Viele der Altstadt-Häuser sind auf Mauern aus der Inka-Zeit erbaut, die die zahlreichen Erdbeben in der Region gut überstanden haben. Diese Mauern sind ohne Mörtel aus perfekt aneinander angepaßten Steinen erreichtet und wurden auch von den Spaniern für so gut befunden, daß sie sie nicht niedergerissen haben. In einem hier zu besichtigenden Fall haben Mönche eine Schicht Putz mit der damals üblichen Dekoration aufgetragen, ein Gewölbe darüber gelegt und fertig war die Umwandlung von Tempel in Kloster. Insgesamt sieht das Stadtbild in der Innenstadt auch nicht sehr nach 21stem Jahrhundert aus: Enge Gassen mit Kopfsteinpflaster, Treppen in den Hanglagen, Arkaden, viele nette Plazas... insgesamt ein Platz zum Wohlfühlen, wenn man nicht alle paar Minuten von fliegenden Händlern mit Kunsthandwerk, Bildern oder Textilien angesprochen würde, manchmal sogar von mehreren aus verschiedenen Richtungen gleichzeitig.




Angesichts dessen, was wir für die folgenden Tage geplant hatten, waren auch ein paar Stunden auf dem Spielplatz drin. Die gestalteten sich allerdings beinahe anstrengend: Es gibt hier auch eine Reihe von Karussels, die mit Elternkraft angetrieben werden müssen. Als die Kinder dann davon genug hatten, suchten wir unser Lieblingslokal hier auf: Der Profit geht an soziale Projekte in der Stadt, und es gibt eine Spielecke, die den Streß in der Wartezeit aufs Essen deutlich reduziert.
Am Dienstag nahmen wir schließlich unser Projekt in Angriff: Eine Reise durch das heilige Tal der Inkas, von Ost nach West.

Die erste Etappe war Pisac. Das ist ein kleines Dorf, neben dem sich ein Berg mit Ruinen aus der Inka-Zeit befindet. Man kann mit dem Taxi dort hoch bis praktisch direkt daneben fahren und dann die in mehrere kleine Siedlungen geteilte Anlage mit ihren alten Terassen bequem weitgehend bergab erwandern. Zum Schluß gibt es noch einen schönen Ausblick aufs Dorf, während man einen dank Treppen leichten, wenn auch steilen Abstieg ins Tal bewältigt. Der nur bergab führende Teil wurde sogar von den jüngeren Expeditionsteilnehmern leidlich akzeptiert.
Am Abend gab es dann ein Essen, das einen die neue peruanische Küche schätzen läßt: Internationale Ideen, mit heimischen Zutaten köstlichst umgesetzt. Ein Inka-Curry zum Beispiel, das einen glauben läßt, die Thais hätten es nur von hier abgekupfert. Dazu leckere gemischte Fruchtsäfte, und der Abend ist gelungen.

Tag zwei der Tour: Alte, immer noch benutzte Salinen und ein Haufen kreisförmiger Terassen namens Moray, deren genauer Zweck heute nicht mehr ganz klar ist. Möglicherweise hat es sich um eine Art landwirtschaftliche Forschungseinrichtung gehandelt, um die besten Wachstumsbedingungen für verschiedene Pflanzen zu ermitteln. Jedenfalls sehr dekorativ.
Auf der Taxifahrt durften wir leider feststellen, daß in diesem Teil der Welt "Oh-ya-ya-coco-jambo-ja-ja-yeah!" und Modern Talking offenbar hochaktuell sind - wie so manch anderer Mist aus den 80ern und 90ern, den wir auf unseren Reisen schon zu hören bekamen. Ace of Base, Dschinghis Khan, Dr. Alban und wie sie alle heißen, sie treiben hier ihr untotes Unwesen.

Am Abend quartierten wir uns in dem Ort ein, der auch die zu besichtigenden Anlagen für Tag drei enthielt: Ollantaytambo. Dank der tiefstehenden Sonne merkten wir erst ziemlich spät, dass unser Hostal gerade mal hundert Meter vom Eingang zur alten Festungsanlage lag. Man konnte jedenfalls schon aus dem Hotelfenster ganz nette Bilder davon machen. Der Ort selbst ist, was Straßenführung, Grundrisse und Wege angeht, im Prinzip immer noch im Originalzustand aus der Inkazeit.
Am nächsten Tag erliefen wir dann erst die Anlagen auf der einen, später auf der anderen Seite des Flusses. Das fast fugenlose Mauerwerk in Teilen der Festung war schon beeindruckend - da kommen einem die Burgen in Europa fast zerbrechlich vor, wenn man die tonnenschweren, massiven Blöcke sieht. Teilweise sind sie aus sechs Kilometer Entfernung die Berge hoch- und runtergeschleppt worden. Sogar ein Fluß wurde überwunden: Der Stein wurde ans Ufer gebracht, der Fluß umgeleitet, der Stein weitertransportiert.
An dieser Festung haben die Spanier auch eine ihrer empfindlichsten Niederlagen erlitten - wie man weiß, nur vorübergehend. Für uns gab es zwischendurch eine Verschnaufpause am durch den Ort führenden Bach, wo freundlicherweise Bänke mit Sonnendach aufgestellt waren. So - und mit Eis essen - bekamen wir die Zeit bis zum Abend ganz gut herum. Dann fuhr unser Zug nach Aguas Calientes, wo wir den nächsten Tag verbringen wollten.
Dieser Ort ist für sich genommen nicht erwähnenswert. Die Lage in einem sehr steilen Tal ist spektakulär, der Ort äußerst touristisch. Im Ort selbst gibt es ziemlich genau nichts zu sehen. Trotzdem formt sich dort an einer Bushaltestelle morgens eine über hundert Meter lange Schlange mit Leuten, die um halb sechs einen Bus bekommen wollen. Warum? Diese Busse fahren - und wir fuhren - nach Machu Piccu.

Bilder davon hat bestimmt schon jeder mal gesehen, und auch wir ließen es uns nicht nehmen, als millionste das immer fast gleiche Bild zu machen. Was etwas schwerer festzuhalten ist, das ist das Spiel von Wolken, Wind und Sonne kurz nach Sonnenaufgang, wenn die erste Thermik des Morgens die Wolken aus dem Tal über die Ruinen treibt und die Sonne erst Stücke von ihnen abzupft, um sie dann aufzulösen. Wo auch immer man hier hingeht, die Landschaft ringsherum ist so spektakulär mit den Steilwänden und Tälern, daß es die Ruinen fast gar nicht bräuchte. Zwischendurch stehen immer wieder rasenmähende Lamas, die so geduldig für Fotos posieren, als hofften sie auf einem Fotokalender zu landen und berühmt zu werden.
Und, leider, wir und hunderte andere Leute, die diesen Ort selbst erleben wollen. Wenn man irgendwo als Tourist hinfährt, dann kann man sich eigentlich schlecht über die Anwesenheit anderer Touristen beschweren, aber hier war es dann doch etwas viel. Insgesamt: Ein zurecht zu populäres Ziel.
Nachmittags ging es dann auch schon wieder direkt in den Zug nach Cuzco, wo wir vor der Weiterfahrt in Richtung Norden noch einen Tag ausspannen wollten.

Monday, May 9, 2011

Unter Geiern

Arequipa ist nach Lima die zweitgrößte Stadt Perus. Das sollte eigentlich eher abschrecken, hat uns in diesem Fall aber nicht davon abgehalten dorthin zu fahren.
Zum Glück.
Bereits die Fahrt dorthin war trotz einiger Verzögerungen ein kleines Erlebnis. In der Hochebene gab es nicht nur wie zu erwarten ein paar Lamas, sondern auch einige Seen mit - wenn auch wenigen - Flamingos und sehr großen schwarz-weißen Gänsen, dazu die fast schon gewohnt spektakulären Ausblicke auf Berge am Rand der Ebene (gelegentlich durch einen einsamen Güterzug dekoriert) und gegen Ende der Fahrt die ersten Ausblicke auf die Gruppe von schneebedeckten Vulkanen, die das Panorama von Arequipa dominieren.
Als kleine Auflockerung zwischendurch stieg ein fliegender Händler ein der ausnahmsweise nichts für den Magen anzubieten hatte, sondern Bücher verkaufte. Kleine Pamphlete - Erziehungsberater, Karrierehilfen, was man halt so braucht. Das Ganze mit kräftiger Stimme recht wortreich beworben, den Vortrag von kurzen Auszügen gab es gratis dazu.

In Arequipa angekommen mussten wir unserem Reiseführer recht geben: Die Altstadt ist wirklich sehr schön, mit vielen Gebäuden aus der Kolonialzeit, einer sehr beeindruckenden Plaza mit einigen Palmen darauf, insgesamt ziemlich mediterran daherkommend. Allerdings wirkten die großen Vulkanen hinter der Kathedrale irgendwie etwas übertrieben.
Für die erste Nacht quartierten wir uns mit gewissen Hintergedanken in einem Hostal direkt über einem ganz netten mexikanischen Restaurant ein. Mal wieder eine Gelegenheit, das Babyfon zu benutzen und in Ruhe zu zweit essen zu gehen. Einfach schön, wenn man sonst immer zu viert auf einem Haufen und in einem Zimmer hockt.
Der nächste Tag begann nach dem Geburtstags-Ständchen für mich und dem Auspacken der Geschenke mit einem leckeren Frühstück im Innenhof eines Lokals, das zum französischen Kulturzentrum gehört - leckeres Essen, sehr dekorativ angerichtet, und Kinderspielzeug wird gereicht. Nach kurzer Heimsuchung der Tauben auf der Plaza ging es aus der Perspektive der Jungs dann allerdings steil bergab.
Gemeinschaftsküche

In Arequipa gibt es ein altes Kloster mit interessanter Geschichte. Zur Gründung wurde einfach ein Stadtviertel ummauert, und aufgenommen wurden vorzugsweise Töchter aus gutem oder zumindest stinkreichem Hause.
Den Damen fiel es offenbar schwer bei aller Selbstkasteiung und Demut so ganz auf die kleinen Annehmlichkeiten des Lebens zu verzichten, und so bezogen sie ihr Quartier gelegentlich auch mit einer oder mehreren Dienerinnen oder sogar Sklavinnen und gönnten sich auch mal aus China importiertes, feinstes Porzellan und aus England angeschleppte Pianos. Davon abgesehen bietet der Konvent einen guten Querschnitt verschiedener Bauphasen und -stile der Stadt und dadurch interessante Einblicke ins frühere Leben dort. Mit dem relativ süßen Leben dort war es allerdings schon vor über hundert Jahren vorbei, danach wehte ein rauerer Wind. Der größte Teil samt umfangreicher Bildersammlung steht heute zur Besichtigung, in einem kleinen Teil der Anlage harren allerdings auch heute noch ein paar Schwestern aus.
Private Küche der Unterkunft einer Schwester


Also genau das, was Kinder im Kindergartenalter ganz doll interessiert. Es war das Genörgel aber trotzdem wert...
So schön Arequipa auch ist, wir hatten es auch als Sprungbrett für einen Abstecher in den Cañon del Colca eingeplant. Na gut, auch um es mal ein Weilchen etwas wärmer zu haben.
Am Mittwoch allerdings machten wir uns dann schon auf den Weg zum Cañon.
In der Nacht zuvor hatte es in der Stadt etwas geregnet. In den Bergen leider nicht. Dort hatte es, für die Jahreszeit wohl nicht so besonders typisch, geschneit.
Vicuña im Schnee
  Das hat nicht nur uns, sondern wohl auch die Auto- und LKW-Fahrer überrascht, jedenfalls gab es einen richtig dicken Stau an der Steigung in Richtung Hochebene und eine entsprechende Verzögerung. An unserem Ziel, Cabanaconde, kamen wir erst so spät an, dass wir nur noch einen kleinen fußläufigen Abstecher zu einem Aussichtpunkt in der Nähe des Ortes machen konnten. Aussichtspunkt ist allerdings ein sehr schwaches Wort, denn dort bot sich ein einfach umwerfender Ausblick.
In 3D noch etwas beeindruckender
Wir hatten weitgehend freien Blick in beide Richtungen des Tals. Ziemlich weit. Dazu natürlich noch die Sicht nach oben und unten. Nach oben zu den schneebedeckten Bergen auf der anderen Talseite, die sich mehr als tausend Meter über uns erhoben. Nach unten zum Fluss hin, der gut 1200 Meter unter uns floß. Dazwischen eine üppige Dekoration aus Seitencañons, Wasserfällen, Klippen, Feldern, Dörfern und was man sonst noch so in ein Panorama hineinstopfen kann. Die Sicht klar genug um weit zu sehen und mit gerade genug Dunst, um für schön sichtbare Lichtbündel der schon tief stehenden Sonne zu sorgen. Ein Weilchen brauchten wir allein schon um uns an die Dimensionen zu gewöhnen. Diese Schlucht gilt angeblich offiziell als die zweittiefste der Welt, in der Nähe gibt es noch eine, die 150 Meter tiefer ist. Beide sind allerdings mehr als doppelt so tief wie der Grand Canyon.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück machten wir uns dann auf zu einem besonderen Aussichtspunkt: Dem Cruz del Condor. Das Gute daran: Der Name hält, was er verspricht. Das Schlechte: Ziemlich viele andere Leute haben die selbe Idee, dort hinzukommen.
Dort standen wir also am Rand der Schlucht, erwarben eine Eintrittskarte für den Cañon und harrten inmitten von fliegenden Händlern und jeder Menge anderer Touristen der Dinge (besser Kondore), die da kommen sollten.
Nein, das Bild ist nicht irgendwo geklaut!
Und sie kamen - ziemlich überraschend. Ein Vorbeiflug unterhalb von uns, einer knapp überhalb, dann hatte der riesige Vogel auch schon soviel Höhe gewonnen, dass er eher ein Fall fürs Fernglas als für die Kamera war.
Zum Glück ließen sich seine später kommenden Artgenossen teils etwas mehr Zeit und boten einen fantastischen Anblick. An den hatte man sich nach einer Weile dann allerdings gewöhnt, und so verließen wir den Aussichtpunkt, um ein Weilchen am Rand des Cañons entlang zu wandern. Dort gab es einen fast menschenleeren Wanderweg, der eine ganze Reihe von ähnlich schönen Punkten miteinander verband. Dabei bekamen wir nicht nur Landschaft in Hülle und Fülle, sondern auch noch ein paar weitere Kondore aus der Nähe oder vor äußerst dekorativem Hintergrund geboten.
Anschließend gab es etwas Wartezeit an der Landstraße, um einen Bus in Richtung Chivay zu erwischen. Diese Kleinstadt ist nicht nur Eingangsort für den Cañon, sondern hat auch heiße Quellen im Angebot. Zu unserer Verwunderung gibt es dort eine strikte Trennung zwischen Bädern für Einheimische und für Touristen. Aber was soll's, das Wasser war schön warm, die Aussicht gut und die Kinder mal wieder zu ihrer Zufriedenheit gewässert. Abends fuhren wir dann ohne weitere Zwischen- oder Schneefälle zurück nach Arequipa, wo wir auch den folgenden Tag verbrachten. Wir bummelten über die Plazas, aßen Eis und Crèpes, versuchten in einen Park mit Spielplatz zu gehen (nur an Wochenenden und Feiertagen geöffnet - super Idee!), schlürften Cappuccinos und genossen die Atmosphäre der Altstadt bzw. jagten und fütterten Tauben.
Auf den nächsten Programmpunkt freuten wir uns etwas weniger: Den Nachtbus nach Cuzco.
Ein zufriedener Kunde
Über die Nachtbusse in Peru hatten wir so manch unerfreuliches gehört und gelesen, also hatten wir vorsichtshalber etwas mehr Geld in die Hand genommen und uns die Crème de la Crème geleistet: Cruz del Sur. Unsere Erwartungen wurden deutlich übertroffen. An dieser Stelle also etwas schamlose Werbung: Deren Nachtbusse haben superbequeme Sitze, die so breit sind, dass nur drei nebeneinander passen. Man kann sie soweit zurücklehnen, dass man tatsächlich gut darin schlafen kann. Die gezeigten Filme sind relativ aktuelle Komödien oder etwas anderes familienfreundliches, jedenfalls keine aus dem Fernsehen mitgeschnittenen blutrünstigen Martial-Arts-Schinken wie bei anderen Firmen teilweise. Man bekommt Decken und Kissen. Insgesamt bin ich noch nie so bequem Bus gefahren. Wenn ich ein wenig kleiner wäre, dann hätte sogar die Beinstütze an der richtigen Stelle gelegen... alles in allem: Teuer, aber das Geld wert.
Ende der Werbung.

Sunday, May 8, 2011

Titikaka

Von La Paz zum Titikakasee ist es nicht besonders weit. Nach gut zwei Stunden im Kleinbus setzt man über eine Engstelle im See auf die Halbinsel Copacabana und nach einem weiteren halben Stündchen hat man die Stadt Copacabana selbst erreicht. Ein kleiner Ort, in dem ungefähr jedes zweite Haus ein Hotel ist. Das nicht erst seit die Gringos ihren Weg hierher gefunden haben - es ist der bedeutendste Wallfahrtsort Boliviens, und jeden Sonntag lassen die Einheimischen dort geschmückte Autos segnen.
Ein Umzug von Tanzgruppen versperrte die Straße in Richtung unseres Hotels, deshalb machten wir uns zu Fuß auf den Weg und erreichten bald unsere hiesige Unterkunft - ein Stückchen über dem Ort gelegen, mit liebevoll eingerichteten Zimmern, einem guten Blick auf Stadt und See, einem kleinen Spielplatz und einem Garten mit Hängematten.
Da war es fast schon schade, dass wir diese Stadt nur als Sprungbrett zur Sonneninsel - Isla del Sol - ausersehen hatten. An diesem Ort wurde nach Ansicht der Inka die Welt erschaffen, dort versteckten sich Sonne und Mond während der Sintflut und auf einem Felsen sind heute noch die Fußabdrücke der Sonne zu sehen.
Die Fahrt dorthin traten wir am nächsten Nachmittag an, nachdem die Jungs sich etwas am Strand austoben konnten und wir uns auf der Strandpromenade an einigen sehr schmackhaften Forellen gesättigt hatten.
Die Überfahrt zum Nordende der Insel war schon fast nervenaufreibend langsam. Angekommen wurden wir direkt von einem Haufen kleiner Jungs und einigen Frauen begrüßt, die die verfügbaren, allesamt eher rustikalen Unterkünfte bewarben. Wir entschieden uns für ein Hostal direkt am Strand, in dem wir eine recht kühle Nacht unter einem dicken Haufen Decken verbrachten.




Am nächsten Morgen hielten wir uns nicht lange mit einem Frühstück auf, sondern kauften ein paar Sachen zu Essen ein, die wir mit auf den Weg nahmen. Wir hatten nämlich große Pläne: Eine Wanderung über den Rücken der gesamten Insel, der ein paar Ruinen aus der Zeit vor den Inkas und einiges an guter Aussicht versprach. Wie zu erwarten stieß das nicht gerade auf Begeisterung bei den jüngsten Familienmitgliedern, aber das Argument, dass auf der anderen Seite der Insel ein Boot zurück zu dem Hotel mit dem Spielplatz sei, brachte Bewegung in die kurzen Beine.

Eigentlich hatten wir uns darauf eingestellt, die Jungs zumindest einen Teil des Weges zu tragen, aber das Unglaubliche geschah: Sie liefen den kompletten Weg. Mit vielen Pausen und eingem an Durchhalte-Keksen, aber sie liefen. Volle zwölf Kilometer! Die Aussicht war wie erwartet fantastisch, und sowohl Düfte als auch die verkarstete Landschaft weckten starke Erinnerungen an griechische Inseln. Der See ist auch dermaßen groß, dass ich mich immer wieder dabei ertappte ihn in Gedanken als Meer zu bezeichnen.

Das enorme Tempo unserer Söhne ließ uns auch fast sechseinhalb Stunden Zeit, die Gegend zu genießen - unser letztes Erlebnis in Bolivien.
Nach einer weiteren Nacht im bewährten Hotel, wo wir auch den Löwenanteil unseres Gepäcks deponiert hatten, machten wir uns nun auf den Weg nach Peru. Weniger als drei Stunden im Bus mit einem unkomplizierten Grenzübertritt, und wir waren in Puno angekommen.

Nur ein paar Kilometer, aber merkbare Unterschiede: Nicht mehr so kompakte Orte, sondern mehr entlang der Straße in der Landschaft verstreute Häuser. Bessere Straßen. Anderes Geld. Mehr auf Touristenfang ausgerichtete Lokale mit Leuten auf der Straße, die einen anquatschen und zum Hineinkommen bewegen wollen. Mehr fliegende Händler, die gezielt auf Gringos losgehen, insgesamt ein höheres Preisniveau (wie erwartet). Und, wie wir am nächsten Tag herausfanden, deutlich komfortablere Boote.
Wir machten einen kurzen Ausflug auf die Uros-Inseln, nur ein paar Kilometer vor der Stadt. Es handelt sich dabei um komplett aus Schilf gebaute künstliche Inseln mit Schilfhütten darauf, die inmitten eines riesigen Schilfgebietes in einer Bucht des Sees verankert sind. Die ursprüngliche Lebensweise der Bewohner - Fischfang, Essen aus Schilfwurzeln bereiten, Wasservögel jagen, Kleinvieh halten - ist durch Tourismus ergänzt worden, wir kamen uns manchmal ein kleines bißchen wie in Disneyland vor.



Man wurde auf einer Insel abgesetzt, hörte sich einen kleinen Vortrag über Bauart der Inseln und die Lebensweise dort an, danach wurde zum Andenkenverkauf geladen.
Anschließend durfte man sich für einen recht stolzen Preis über einen Kanal zwischen den Inseln setzen lassen (in einem Schilfboot, dessen Schwimmkörper allerdings heutzutage aus alten Plastikflaschen gebaut wird), auf der Hauptinsel gab es dann weitere Einkaufs- und Eßgelegenheiten, danach ging es zurück. Wenn wir nicht einige Beweise für eine tatsächiche Besiedlung - wie eine Grundschule - gesehen hätten, wären wir uns etwas verschaukelt vorgekommen.

Den Rest des Tages haben wir verfaulenzt, am nächsten Tag sollte es dann was "Richtiges" geben: Überfahrt zu einer weiter entfernten Insel und Übernachtung im Haus einer dortigen Familie, Rückfahrt am nächsten Nachmittag. Das geriet allerdings auch etwas anders als gedacht.
Auf der Hinfahrt gab es eine Zwischenstation. Richtig geraten: Uros. Mit dem selben Programm wie am Vortag, was wir uns allerdings verkniffen. Die letztlich besuchte Insel Amantaní war schon sehr schön. Da wir aber, nicht zuletzt dank des Zwischenstopps, erst gegen 13:30 Uhr dort ankamen, hatten wir nur noch ein paar Stunden Sonnenlicht an diesem Tag.



Nach der Begrüßung durch unsere in Festtagstracht gekleidete Gastgeberin und einem deftigen Mittagessen nutzten wir die restliche Zeit zur Besteigung eines Hügels mit einer über 1000 Jahre alten Kultstätte am Gipfel. Duftende Kräuter, pittoreske Insel, leckeres Essen... Die "Familie" bei der wir untergebracht waren bestand allerdings nur aus einer Frau, deren Mann und Kinder in Puno leben - der Mann hat dort Arbeit, die Kinder gehen zur weiterführenden Schule, die es auf der Insel nicht gibt...
Zusätzlich durften wir feststellen, dass wir uns zu leichtfertig auf den Reiseführer verlassen hatten: Die Boote fuhren nicht nachmittags, sondern morgens um acht zurück. Sonntags nur mit zweistündigem Stopp an einer anderen Insel - was sich aber als sehr netter Ausflug herausstellte. Vom Anleger aus führt eine Treppe hoch in die Mitte der Insel, und nach einem halbstündigen Aufstieg (500 Treppenstufen) hat man nicht nur Gelegenheit zum Snack, sondern auch wieder eine tolle Aussicht.

Man merkte aber schon, dass diese Insel (Taquile) etwas zu viele Tagestouristen abbekommt - entgegenkommende Kinder erwiederten meinen Gruß nicht sondern fragten sofort in Englisch und Spanisch nach Kleingeld. Eine Besonderheit von Taquile bekamen wir live zu sehen: Strickende Männer. Es ist dort üblich, dass die Männer ihre bunten Mützen selbst stricken. Ein gewöhnungsbedürftiger Anblick.
Die peruanische Seite des Sees war also eher eine durchwachsene Erfahrung - morgen geht es weiter, nach Arequipa.

Sunday, May 1, 2011

In die Pampa geschickt

Gerade aus dem Dschungel zurückgekehrt hielt es uns nicht lange in der Stadt. Ein Besuch in der Wäscherei, eine Übernachtung in einem Hotel mit warmer Dusche, ein Besuch in der französischen Bäckerei und wir waren bereit für die nächste Unternehmung: Eine Tour in die Pampas.
Die fing schon mal gut an: Wir hatten Rurrenabaque noch nicht verlassen, als es Probleme mit dem Motor unseres Geländewagens gab. Zweimal.
Insgesamt fast eine Stunde lang. Danach ging es aber problemlos weiter und nach weniger als drei Stunden Fahrt waren zwei Briten, zwei Schweizerinnen, ein Baske und wir an einem Landungsplatz am Fluß, wo schon diverse Langboote auf Touristen warteten. Im Hintergrund sah man schon gelegentlich Flußdelfine auftauchen, und das war auch ein guter Vorgeschmack darauf, wie leicht wir hier Tiere sehen würden.
Auf der Fahrt zu unserer Unterkunft gab es einen kurzen Zwischenstopp an einer Insel, auf der man aus weniger als zehn Metern Entfernung ein Capybara bewundern konnte und einen weiteren, auf dem eine Horde Totenkopfäffchen mit Bananen versorgt wurde.
Eisvögel, Reiher und Hoatzine gab es reichlich, immer mal wieder auch Fischadler, riesige Störche oder den Pampas-Kondor. Da fielen die Wasserschildkröten schon fast nicht mehr ins Gewicht.
Die besagte Unterkunft war eine Art Dorf auf Stelzen, unter den Verbindungswegen und Hütten stand jahreszeitlich bedingt noch mehr als ein halber Meter Wasser. Als Familie blieben uns die Schlafsääle erspart, wir hatten eine Hütte mit eigenem Bad für uns. Naja, fast. Zwischen dem Holzdach und der darauf liegenden Plane lebten ziemlich viele Fledermäuse, die Tag und Nacht herumzwitscherten.
Unter und zwischen den Gebäuden waren die Reviere von mehreren Kaimanen und Alligatoren. Ein Kaiman lebte unter dem Küchengebäude und bekam regelmäßig Knochen und andere Abfälle zu fressen. Als ob das nicht genug Tierleben wäre bekamen wir auch noch Besuch von durchziehenden Affenhorden, auch ein großer Tukan mit einem wirklich enorm großen Schnabel ließ sich blicken. Da ein Teil der Hüttenwand wie im Regenwald wieder nur aus Moskitogitter bestand hatten wir auch hier das volle akustische und optische Erlebnis - und ständig mindestens einen Kaiman im Blick, wenn wir aus dem Fenster schauten.

Zusätzlich gab es natürlich noch Exkursionen im Boot, um noch mehr von der Tierwelt zu sehen - oder auch "nur" einen besonders schönen Sonnenaufgang mit Regenbogen als Zugabe.
Da der Fußweg sich auf die hundert Meter bis zum Boot beschränkte hatten auch die Jungs relativ wenig Einwände dagegen.
Auch das Piranha-Fischen gehörte wieder zum Programm. Jan war davon sehr begeistert und redete den halben Tag nur davon, dass er unbedingt diese Fische essen wollte. Was er abends dann auch äußerst gründlich tat.

Am letzten Tag stand noch eine ausführlichere Begegnung mit den Flußdelfinen auf dem Programm. An einer breiteren Stelle des Flusses - wenn man dieses Labyrinth aus Wasserwegen, Wasserpflanzen und Bäumen als Fluss bezeichnen mag - war eine Art See, wo genug Platz für mehrere Boote mit Touristen war. Nach ein paar Minuten waren auch schon die ersten Delfine zu sehen, die keinerlei Scheu vor Menschen zeigen. Wer wollte konnte schwimmen gehen und versuchen, die Delfine mit leeren Plastikflaschen zum Spiel anzuregen, was auch in mehreren Fällen klappte: Der Delfin schnappte sich die Flasche und schob sie vor sich her durch das Wasser. Das war schon schön. Es hätte aber noch deutlich schöner sein können, wenn ein paar Sachen anders gewesen wären: Für Positionsänderungen der Boote wurde fleißig der stinkende und lärmende Außenbordmotor benutzt, wo es auch Paddel getan hätten. Und wenn die Gruppen von Israelis in den anderen Booten etwas weniger rücksichtslos und laut aufgetreten wären, dann wäre ihre Anzahl kein Problem gewesen... so war es dann doch ein insgesamt wunderbares Erlebnis mit kleinen Schönheitsfehlern.
Sonnenaufgang über den Pampas


Auf der Rückfahrt gab es noch eine kleine Zugabe für uns: Der Fahrer des Geländewagens schaffte es irgendwie, durch die schlammverschmierte Fensterscheibe ein Faultier in einem Baum am Straßenrand zu erspähen. Wir brauchten ein Weilchen, bis wir es dann sahen... auf unserem Wunschzettel fehlt jetzt noch der Tapir.

Am nächsten Tag flogen wir zurück nach La Paz. Die Fluglinie gehört zum Militär, und entsprechend
freundlich war auch das Personal. "Wir haben zu viele Passagiere, der Flug wird aufgeteilt, Sie sind zwei Stunden später dran. Warum haben Sie nicht angerufen? Sie müssen anrufen, und das wird auch immer gesagt." - wir konnten dann doch noch aus undurchsichtigen Gründen in die frühere Maschine, im Gegensatz zu einigen anderen Leuten, die Anschlußflüge verpaßten.
Der Ritt in der zweimotorigen Propellermaschine war etwas rau, aber immer noch um Längen angenehmer als die Fahrt über die bereits beschriebene Strasse.
Apropos angenehm: In La Paz bezogen wir natürlich wieder das Zimmer in Babyfon-Reichweite zum leckeren Restaurant (japanisch, thailändisch, indisch...) - was wir auch gut ausnutzten.
Nach einem Tag Pause nahmen wir am Montag das nächste Ziel ins Visir: Den Titikakasee.