Cuzco war die Hauptstadt des Inka-Reiches, und man merkt es noch heute. Viele der Altstadt-Häuser sind auf Mauern aus der Inka-Zeit erbaut, die die zahlreichen Erdbeben in der Region gut überstanden haben. Diese Mauern sind ohne Mörtel aus perfekt aneinander angepaßten Steinen erreichtet und wurden auch von den Spaniern für so gut befunden, daß sie sie nicht niedergerissen haben. In einem hier zu besichtigenden Fall haben Mönche eine Schicht Putz mit der damals üblichen Dekoration aufgetragen, ein Gewölbe darüber gelegt und fertig war die Umwandlung von Tempel in Kloster. Insgesamt sieht das Stadtbild in der Innenstadt auch nicht sehr nach 21stem Jahrhundert aus: Enge Gassen mit Kopfsteinpflaster, Treppen in den Hanglagen, Arkaden, viele nette Plazas... insgesamt ein Platz zum Wohlfühlen, wenn man nicht alle paar Minuten von fliegenden Händlern mit Kunsthandwerk, Bildern oder Textilien angesprochen würde, manchmal sogar von mehreren aus verschiedenen Richtungen gleichzeitig.
Angesichts dessen, was wir für die folgenden Tage geplant hatten, waren auch ein paar Stunden auf dem Spielplatz drin. Die gestalteten sich allerdings beinahe anstrengend: Es gibt hier auch eine Reihe von Karussels, die mit Elternkraft angetrieben werden müssen. Als die Kinder dann davon genug hatten, suchten wir unser Lieblingslokal hier auf: Der Profit geht an soziale Projekte in der Stadt, und es gibt eine Spielecke, die den Streß in der Wartezeit aufs Essen deutlich reduziert.
Am Dienstag nahmen wir schließlich unser Projekt in Angriff: Eine Reise durch das heilige Tal der Inkas, von Ost nach West.
Die erste Etappe war Pisac. Das ist ein kleines Dorf, neben dem sich ein Berg mit Ruinen aus der Inka-Zeit befindet. Man kann mit dem Taxi dort hoch bis praktisch direkt daneben fahren und dann die in mehrere kleine Siedlungen geteilte Anlage mit ihren alten Terassen bequem weitgehend bergab erwandern. Zum Schluß gibt es noch einen schönen Ausblick aufs Dorf, während man einen dank Treppen leichten, wenn auch steilen Abstieg ins Tal bewältigt. Der nur bergab führende Teil wurde sogar von den jüngeren Expeditionsteilnehmern leidlich akzeptiert.
Am Abend gab es dann ein Essen, das einen die neue peruanische Küche schätzen läßt: Internationale Ideen, mit heimischen Zutaten köstlichst umgesetzt. Ein Inka-Curry zum Beispiel, das einen glauben läßt, die Thais hätten es nur von hier abgekupfert. Dazu leckere gemischte Fruchtsäfte, und der Abend ist gelungen.
Tag zwei der Tour: Alte, immer noch benutzte Salinen und ein Haufen kreisförmiger Terassen namens Moray, deren genauer Zweck heute nicht mehr ganz klar ist. Möglicherweise hat es sich um eine Art landwirtschaftliche Forschungseinrichtung gehandelt, um die besten Wachstumsbedingungen für verschiedene Pflanzen zu ermitteln. Jedenfalls sehr dekorativ.
Am nächsten Tag erliefen wir dann erst die Anlagen auf der einen, später auf der anderen Seite des Flusses. Das fast fugenlose Mauerwerk in Teilen der Festung war schon beeindruckend - da kommen einem die Burgen in Europa fast zerbrechlich vor, wenn man die tonnenschweren, massiven Blöcke sieht. Teilweise sind sie aus sechs Kilometer Entfernung die Berge hoch- und runtergeschleppt worden. Sogar ein Fluß wurde überwunden: Der Stein wurde ans Ufer gebracht, der Fluß umgeleitet, der Stein weitertransportiert.
Dieser Ort ist für sich genommen nicht erwähnenswert. Die Lage in einem sehr steilen Tal ist spektakulär, der Ort äußerst touristisch. Im Ort selbst gibt es ziemlich genau nichts zu sehen. Trotzdem formt sich dort an einer Bushaltestelle morgens eine über hundert Meter lange Schlange mit Leuten, die um halb sechs einen Bus bekommen wollen. Warum? Diese Busse fahren - und wir fuhren - nach Machu Piccu.
Bilder davon hat bestimmt schon jeder mal gesehen, und auch wir ließen es uns nicht nehmen, als millionste das immer fast gleiche Bild zu machen. Was etwas schwerer festzuhalten ist, das ist das Spiel von Wolken, Wind und Sonne kurz nach Sonnenaufgang, wenn die erste Thermik des Morgens die Wolken aus dem Tal über die Ruinen treibt und die Sonne erst Stücke von ihnen abzupft, um sie dann aufzulösen. Wo auch immer man hier hingeht, die Landschaft ringsherum ist so spektakulär mit den Steilwänden und Tälern, daß es die Ruinen fast gar nicht bräuchte. Zwischendurch stehen immer wieder rasenmähende Lamas, die so geduldig für Fotos posieren, als hofften sie auf einem Fotokalender zu landen und berühmt zu werden.
Nachmittags ging es dann auch schon wieder direkt in den Zug nach Cuzco, wo wir vor der Weiterfahrt in Richtung Norden noch einen Tag ausspannen wollten.
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