Sunday, May 1, 2011

In die Pampa geschickt

Gerade aus dem Dschungel zurückgekehrt hielt es uns nicht lange in der Stadt. Ein Besuch in der Wäscherei, eine Übernachtung in einem Hotel mit warmer Dusche, ein Besuch in der französischen Bäckerei und wir waren bereit für die nächste Unternehmung: Eine Tour in die Pampas.
Die fing schon mal gut an: Wir hatten Rurrenabaque noch nicht verlassen, als es Probleme mit dem Motor unseres Geländewagens gab. Zweimal.
Insgesamt fast eine Stunde lang. Danach ging es aber problemlos weiter und nach weniger als drei Stunden Fahrt waren zwei Briten, zwei Schweizerinnen, ein Baske und wir an einem Landungsplatz am Fluß, wo schon diverse Langboote auf Touristen warteten. Im Hintergrund sah man schon gelegentlich Flußdelfine auftauchen, und das war auch ein guter Vorgeschmack darauf, wie leicht wir hier Tiere sehen würden.
Auf der Fahrt zu unserer Unterkunft gab es einen kurzen Zwischenstopp an einer Insel, auf der man aus weniger als zehn Metern Entfernung ein Capybara bewundern konnte und einen weiteren, auf dem eine Horde Totenkopfäffchen mit Bananen versorgt wurde.
Eisvögel, Reiher und Hoatzine gab es reichlich, immer mal wieder auch Fischadler, riesige Störche oder den Pampas-Kondor. Da fielen die Wasserschildkröten schon fast nicht mehr ins Gewicht.
Die besagte Unterkunft war eine Art Dorf auf Stelzen, unter den Verbindungswegen und Hütten stand jahreszeitlich bedingt noch mehr als ein halber Meter Wasser. Als Familie blieben uns die Schlafsääle erspart, wir hatten eine Hütte mit eigenem Bad für uns. Naja, fast. Zwischen dem Holzdach und der darauf liegenden Plane lebten ziemlich viele Fledermäuse, die Tag und Nacht herumzwitscherten.
Unter und zwischen den Gebäuden waren die Reviere von mehreren Kaimanen und Alligatoren. Ein Kaiman lebte unter dem Küchengebäude und bekam regelmäßig Knochen und andere Abfälle zu fressen. Als ob das nicht genug Tierleben wäre bekamen wir auch noch Besuch von durchziehenden Affenhorden, auch ein großer Tukan mit einem wirklich enorm großen Schnabel ließ sich blicken. Da ein Teil der Hüttenwand wie im Regenwald wieder nur aus Moskitogitter bestand hatten wir auch hier das volle akustische und optische Erlebnis - und ständig mindestens einen Kaiman im Blick, wenn wir aus dem Fenster schauten.

Zusätzlich gab es natürlich noch Exkursionen im Boot, um noch mehr von der Tierwelt zu sehen - oder auch "nur" einen besonders schönen Sonnenaufgang mit Regenbogen als Zugabe.
Da der Fußweg sich auf die hundert Meter bis zum Boot beschränkte hatten auch die Jungs relativ wenig Einwände dagegen.
Auch das Piranha-Fischen gehörte wieder zum Programm. Jan war davon sehr begeistert und redete den halben Tag nur davon, dass er unbedingt diese Fische essen wollte. Was er abends dann auch äußerst gründlich tat.

Am letzten Tag stand noch eine ausführlichere Begegnung mit den Flußdelfinen auf dem Programm. An einer breiteren Stelle des Flusses - wenn man dieses Labyrinth aus Wasserwegen, Wasserpflanzen und Bäumen als Fluss bezeichnen mag - war eine Art See, wo genug Platz für mehrere Boote mit Touristen war. Nach ein paar Minuten waren auch schon die ersten Delfine zu sehen, die keinerlei Scheu vor Menschen zeigen. Wer wollte konnte schwimmen gehen und versuchen, die Delfine mit leeren Plastikflaschen zum Spiel anzuregen, was auch in mehreren Fällen klappte: Der Delfin schnappte sich die Flasche und schob sie vor sich her durch das Wasser. Das war schon schön. Es hätte aber noch deutlich schöner sein können, wenn ein paar Sachen anders gewesen wären: Für Positionsänderungen der Boote wurde fleißig der stinkende und lärmende Außenbordmotor benutzt, wo es auch Paddel getan hätten. Und wenn die Gruppen von Israelis in den anderen Booten etwas weniger rücksichtslos und laut aufgetreten wären, dann wäre ihre Anzahl kein Problem gewesen... so war es dann doch ein insgesamt wunderbares Erlebnis mit kleinen Schönheitsfehlern.
Sonnenaufgang über den Pampas


Auf der Rückfahrt gab es noch eine kleine Zugabe für uns: Der Fahrer des Geländewagens schaffte es irgendwie, durch die schlammverschmierte Fensterscheibe ein Faultier in einem Baum am Straßenrand zu erspähen. Wir brauchten ein Weilchen, bis wir es dann sahen... auf unserem Wunschzettel fehlt jetzt noch der Tapir.

Am nächsten Tag flogen wir zurück nach La Paz. Die Fluglinie gehört zum Militär, und entsprechend
freundlich war auch das Personal. "Wir haben zu viele Passagiere, der Flug wird aufgeteilt, Sie sind zwei Stunden später dran. Warum haben Sie nicht angerufen? Sie müssen anrufen, und das wird auch immer gesagt." - wir konnten dann doch noch aus undurchsichtigen Gründen in die frühere Maschine, im Gegensatz zu einigen anderen Leuten, die Anschlußflüge verpaßten.
Der Ritt in der zweimotorigen Propellermaschine war etwas rau, aber immer noch um Längen angenehmer als die Fahrt über die bereits beschriebene Strasse.
Apropos angenehm: In La Paz bezogen wir natürlich wieder das Zimmer in Babyfon-Reichweite zum leckeren Restaurant (japanisch, thailändisch, indisch...) - was wir auch gut ausnutzten.
Nach einem Tag Pause nahmen wir am Montag das nächste Ziel ins Visir: Den Titikakasee.

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