Thursday, March 10, 2011

Oruro


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(Ich bitte, das verhackstückte Layout zu verzeihen - der Editor hier ist ein ziemlicher Krampf, wenn soviele Bilder vorliegen)

Oruro hat angeblich den zweitgrößten Karneval in ganz Lateinamerika (nach Rio), und wenn sowas praktisch auf dem sowieso vorgesehenen Weg liegt, dann sollte man es auch mitnehmen.

Nach einer fast fünfstündigen Busfahrt durch teils atemberaubende Landschaften mit atemberaubenden Fahrstilen der anderen Verkehrsteilnehmer - unser Busfahrer schien zum Glück noch an seinem Leben zu hängen - kam letzten Freitag am Fuß der Berge am Rand der Hochebene Oruro in Sicht. Erfreulicherweise sprach uns am Busbahnhof eine Einheimische an, die privat ein Zimmer mit Bad zu vermieten hatte. Dafür wollte sie zwar eine Stange Geld, aber immer noch weniger als die Hälfte dessen, was die einzige freie Absteige, die wir telefonisch erreichen konnten, uns abgeknöpft hätte. Die Lage war auch noch um einiges günstiger, nur ein paar Blocks vom Umzugsweg entfernt und nicht viel weiter bis zur Plaza. Von diesem Stützpunkt aus konnten wir also in den folgenden Tagen uns das örtliche Karnevalstreiben ansehen.
Karneval in Oruro - das heißt zum Glück nicht nur kollektives Besäufnis und ein kleiner Umzug.
Das heißt: Zwei Tage hintereinander ziehen in dichter Abfolge geschmückte Autos, Tanzgruppen in teils unglaublich aufwändigen Kostümen und Blaskapellen durch die Stadt. Und zwei Tage hintereinander heißt: Samstag vormittags geht es los, in einem fort bis drei oder vier Uhr morgens, am Sonntag wird dann noch eine Schippe nachgelegt und die Umzüge gehen nochmal in ähnlichem Umfang los. Nein, ich weiß auch nicht, wo man soviele Leute dafür auftreibt. Es ist einfach unglaublich. Der Umzugsweg ist von Tribünen gesäumt, das Ganze wird nachts noch mit reichlich Feuerwerk untermalt und (hauptsächlich) die Jugend liefert sich wahre Schlachten mit Wasserpistolen, Wasserbomben und sowas ähnlichem wie Rasierschaum - nur, dass man aus den Dosen so um die vier Meter weit spritzen kann.
Gut, vom Feuerwerk haben wir nur den akustischen Anteil mitbekommen. Wir waren nämlich, dank der Jungs und 3700 Höhenmetern, abends total groggy und sind früh in einen unruhigen Schlaf gesunken.
Die unschönen Seiten möchte ich auch nicht verschweigen: Schnapsleichen, durchdringender Uringeruch an ziemlich vielen Stellen und viel Gedränge. So dichtes Gedränge, dass man sein Kind lieber auf die Schultern nimmt, wodurch die Hände natürlich irgendwo in Brusthöhe unabkömmlich sind. Das Ergebnis: Zweimal am Samstag ist mir das mitgeführte Bargeld (nicht viel, und Karten, Pässe etc sind sicherheitshalber daheim geblieben) geklaut worden. Einmal wurde mir dazu die Hosentasche aufgeschlitzt.
Zugegeben, das hört sich jetzt nicht nach einer Empfehlung an. Ist es aber trotzdem. Wenn man zweimal an einem Tag beklaut wird und es dennoch für ein großartiges Erlebnis hält - dann muß da schon was dran sein. Für mich ungefähr in dieser Reihenfolge:
Die umwerfenden Kostüme. Die Kondition der Tänzer, die in diesen Kostümen auch bei praller Sonne unermüdlich und ehrlich begeistert kilometerweit durch die Stadt tanzen. Die gespielten, teils recht schlichten Melodien, die sich im Ohr festsetzen. Die Heiterkeit der Kinder und Jugendlichen mit ihren Schaum-Spritzdosen. Der Überblick über das Gewimmel, den wir am Sonntag bei Ankunft des Umzugs genießen konnten. All diese Umzüge enden an einer für die Bergleute sehr wichtigen Kirche, die am Fuße des Berges mit den Zinnminen gelegen ist.

Als nächstes Ziel haben wir Sucre angepeilt, mit Zwischenstopp in Potosí, um die Fahrtzeiten etwas zu reduzieren. Nach Potosí wollen wir auf jeden Fall nochmal später zurückkommen, wenn wir endlich mal etwas Spanisch gelernt haben - wofür wir uns Sucre ausgesucht haben.

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