Nach der Fahrt über den Fluss kamen wir an einem vom Regen total aufgeweichten Steilufer an, das wir dann, kleinere Spalten von über einem Meter Tiefe übersteigend, erklimmen durften. Als nächstes stand der unangenehmste Teil der Reise an: Über eine halbe Stunde mit Gepäck (zum Glück hatten wir das meiste in Rurrenabaque eingelagert) und nicht besonders zufriedenen Kindern durch richtig tiefen, zähen, an den Stiefeln zerrenden Schlamm. Die Jungs mußten wir natürlich den größten Teil des Weges auf den Schultern tragen, was dank der matschigen Stiefel unsere Jacken bald mit dem Weg farblich vorzüglich harmonieren ließ.
An den Unterkünften angekommen gab es eine sehr angenehme Überraschung: Die Hütten standen nicht nur mitten im Wald, man fühlte sich auch im Inneren wie mitten im Dschungel. Die Wände waren nämlich (vom Bad abgesehen) weggelassen worden, stattdessen gab es von oben bis unten nur Moskitogitter, so dass wir nicht nur Tag und Nacht den perfekten Regenwald-Soundtrack hatten - Zikaden, Frösche, Brüllaffen, Vögel - sondern auch sämtliches Tierleben (Kapuzineraffen in den Bäumen) bequem aus dem Bett beobachten konnten, ohne dabei nennenswert von Mücken belästigt zu werden.
Die Spaziergänge - Wanderungen wäre etwas übertrieben - führten uns durch einen bilderbuchmäßig verschlungenen Dschungel mit großen Spinnennetzen, Urwaldriesen mit gewaltigen Brettwurzeln, Lianen über Lianen, wilden Papayas und Kakaobäumen und im immer noch reichlich vorhandenen Schlamm Tapir- und Jaguarspuren. Abends konnten wir an unserem See kleine Kaimane sehen, aus dem Unterholz hörten wir das Grunzen von Pekaris und nachts rief etwas wie eine Kuh - eine Art Reiher, wie sich bei anderer Gelegenheit herausstellte. Zur Orientierung und Information stand uns ein persönlicher Führer zur Verfügung, der auch genug Geduld mit dem Marschtempo unseres Nachwuchses hatte.
Von ihm stammte auch der Vorschlag, Piranhas zu fischen. Als Köder werden kleine Fleischstücke verwendet und es ist - zum Glück! - auch völlig egal, ob man laut oder leise ist oder im Boot herumstampft oder sonstwas macht. Sie beißen so gerne nach dem Köder, wie man es dem Klischee nach erwarten darf. Das Fleisch war meistens schnell weg, nur der Haken war selten da, wo er hinsollte. Als Beilage zum Abendessen hat es dennoch gereicht.
Die Bootstouren waren auch fantastisch, wenn man die viel zu schweren, grob geschnitzten Holzpaddel mal außer Acht läßt. Umgestürzte Bäume, lianenumschlugen über und unter Wasser. Am hellichten Tag unter den überhängenden Ästen flatternde Fledermäuse, die wir wohl aufgeschreckt hatten. Über uns rote Aras, die einen gewaltigen Krach machten und sich für eine Weile in einem etwas weiter entfernten Baum beobachten ließen. Teichhühner, die total hysterisch mit einem Mordsgeschrei Deckung suchten. Ein Fischadler, der sich bei unserem Anblick erhob und eine ruhigere Ecke suchte. Und immer wieder die Namensgeber des Reservates, auf Deutsch Hoatzin genannt. Ein überaus merkwürdiger Vogel der fliegt, als müsste er es noch lernen und sich anhört, als hätte er schweres Asthma.
So haben wir dann doch noch das unvereinbar erscheinende bekommen: Wilde Tiere im Dschungel beobachtet trotz der kleinen Krachmacher im Schlepptau, die auf einmal für uns überraschend lange laufen und still (oder fast still) sein konnten. Danke!
| Abend am Rio Beni |